RTL/ntv-TrendbarometerDie AfD bleibt vorn - aber eine klare Mehrheit ist für die "Brandmauer"
Die Werte wirken wie einbetoniert: Die AfD hält ihren Abstand zur Union, der Kanzler steckt im Tief. Zugleich glaubt eine Mehrheit an den Fortbestand der Koalition – und spricht sich gegen eine Zusammenarbeit von CDU und CSU mit der AfD aus.
Das politische Berlin ist aus der Sommerpause zurück und im Wahlkampfmodus: In drei Bundesländern wird im September gewählt. Vor allem in Sachsen-Anhalt wird ein politisches Beben mit einem klaren Sieg der AfD erwartet. Welche Auswirkungen das auf die Bundespolitik hat, ist nicht abzusehen.
Da wirken die aktuellen Zahlen des repräsentativen RTL/ntv-Trendbarometers fast wie die Ruhe vor dem Sturm, denn es ändert sich im Vergleich zur Vorwoche nichts: Die AfD bleibt mit 28 Prozent klar stärkste Kraft, gefolgt von der Union mit 21 Prozent. 16 Prozent der Bürger würden die Grünen wählen, je 12 Prozent ihr Kreuz bei SPD oder Linke machen. Die FDP würde mit 4 Prozent den Wiedereinzug in den Bundestag verpassen. Die übrigen Parteien, darunter das BSW, kommen auf 7 Prozent.
Die Bundesregierung aus Union und SPD erreicht damit zusammen 33 Prozent – und hat keine Mehrheit. Allerdings glauben 57 Prozent der Bundesbürger, dass die Koalition aus Union und SPD auch Ende des Jahres noch Bestand haben wird. 33 Prozent gehen davon aus, dass die Regierungskoalition vorher auseinanderbricht. Vor allem Anhänger der Koalitionsparteien gehen mit 71 Prozent (Union) beziehungsweise 77 Prozent (SPD) von einem Fortbestand aus. Einen Bruch bis Ende des Jahres erwarten mehrheitlich nur AfD-Wähler (55 Prozent).
Mehrheit für die Brandmauer
Gleichzeitig findet es eine Mehrheit von 60 Prozent aller Bundesbürger richtig, dass die Union jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. 35 Prozent der Menschen sind dagegen der Auffassung, dass CDU und CSU künftig auch mit der AfD zusammenarbeiten sollten. Damit wird die Behauptung widerlegt, dass nur die politischen Spitzen die sogenannte Brandmauer aufrechterhalten würden, während die Bevölkerung eine Zusammenarbeit von Union und AfD begrüßen würde.
Wenig überraschend sind nur Anhänger der AfD mehrheitlich gegen eine "Brandmauer": 91 Prozent sprechen sich für eine Zusammenarbeit von Union und AfD aus. Bei allen anderen Parteianhängern findet die "Brandmauer" dagegen große Mehrheiten: Wähler von CDU/CSU sind zu 81 Prozent gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD, bei der SPD sind es 82 Prozent, bei den Grünen sogar 91 Prozent und bei der Linken 83 Prozent.
Kanzler Merz hat sich stets klar für die Brandmauer ausgesprochen. Die Zustimmung zu seiner Arbeit bleibt allerdings im Tief. 13 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, 85 Prozent sind es nicht. Unzufrieden äußern sich mehrheitlich die Anhänger aller Bundestagsparteien, selbst jene der Union (56 Prozent), vor allem aber von Linken (98 Prozent) und AfD (99 Prozent).
Bei der politischen Kompetenz schneidet die Bundesregierung schlecht ab. Gefragt, welche Partei mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werde, nennen 12 Prozent die Union (ein Punkt mehr als in der Vorwoche) und unverändert 5 Prozent die SPD – zusammen gerade mal 17 Prozent. Die anderen Parteien kommen aber nicht viel besser weg: 7 Prozent nennen die Grünen (minus ein Punkt), 6 Prozent die Linke (plus ein Punkt). Der AfD wird mit 13 Prozent noch die größte politische Kompetenz zugesprochen. Die anderen Parteien erreichen zusammen 2 Prozent. Aber 55 Prozent (minus ein Punkt) der Menschen sagen, dass keine Partei mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werde.
Ist die Regierungspolitik sozial ausgewogen?
Die Bundesbürger wurden zudem gefragt, ob die bisherige Politik der Bundesregierung angesichts der bereits beschlossenen Reformen sozial ausgewogen sei. 14 Prozent bejahten dies. Eine große Mehrheit von 82 Prozent ist dagegen der Meinung, Interessen von Beziehern niedriger und mittlerer Einkommen würden nicht ausreichend berücksichtigt.
Dabei halten nur Unionswähler die Politik mehrheitlich für sozial ausgewogen (56 Prozent). SPD-Anhänger sind da größtenteils (88 Prozent) anderer Meinung. Auch Wähler von Grünen (89 Prozent), Linken (99 Prozent) und AfD (93 Prozent) halten die Regierungspolitik ganz überwiegend für sozial unausgewogen.
Eine kleine Entwicklung gibt es bei den Wirtschaftserwartungen: 15 Prozent der Menschen (plus zwei Punkte) erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland in den kommenden Jahren verbessern werden. Allerdings geht eine Mehrheit von 65 Prozent (minus zwei Punkte) weiter von einer Verschlechterung aus. 19 Prozent (minus ein Punkt) erwartet keine Veränderung.
Repräsentative Umfrage | Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 25. und 31. August erhoben. Datenbasis: 2504 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Zur politischen Kompetenz wurden 1002 Menschen befragt. Zu den Fragen nach dem Fortbestand der Koalition, nach der Brandmauer und der sozialen Ausgewogenheit der Regierungspolitik wurden am 25. und 26. August 1004 Menschen befragt, die Fehlertoleranz liegt hier bei plus/minus 3 Prozentpunkten.
Weitere Informationen zu Forsa gibt es hier.
