Politik

Er wollte Suizid begehen Die Aussage des Reker-Attentäters

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Henriette Reker wurde am Tag nach dem Attentat zur Oberbürgermeisterin von Köln gewählt. Ihr Heilungsprozess verläuft gut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Mann, der Henriette Reker töten wollte, hatte Kontakte zu später verbotenen Neonazi-Vereinigungen, bezog seit Jahren Arbeitslosengeld und wollte sich vor Kurzem umbringen.

Schon auf dem Weg vom Tatort zum Polizeipräsidium sprach Frank S. mit den Polizisten darüber, warum er kurz zuvor der Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker mit einem Messer in den Hals stach. Mittlerweile ist er auch verhört worden. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Express" berichten über die Aussagen und auch aus anderen Quellen über das Leben des Attentäters.

Demnach lebte der heute 44-Jährige früher in Bonn und war dort in der Neonazi-Szene verwurzelt. Er hatte Kontakte zur Hooligan-Gruppe "Berserker", zur später verbotenen "Nationalistischen Front" und war bis zu ihrem Verbot 1995 in der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), der damals "wichtigsten und radikalsten Partei von Rechtsextremisten", wie der Stadt-Anzeiger Experten zitiert.

Die Zeitung schreibt davon, S. habe etwa drei Jahre im Gefängnis gesessen, unter anderem wegen Raub und Körperverletzung. Der "Express" berichtet dagegen, S. habe ausgesagt, vor 15 Jahren einmal für vier Monate "wegen so einer Meinungssache" gesessen zu haben.

Im Amt traf er auf eine "verschleierte" Frau

S. feierte zuhause Saufgelage mit rund 30 Neonazi-Freunden, was zu Ärger mit seinem Vermieter führte. Das könnte der Grund gewesen sein, warum er nach Köln umzog, wodurch wiederum Kontakte in die Szene abbrachen. 2008 soll er noch einmal "Interesse an der NPD" gezeigt haben, lässt sich NRW-Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier zitieren.

Seit acht Jahren soll der Maler und Lackierer S. arbeitslos sein. Er meldete sich beim Arbeitsamt. Dort sei sein Fall von einer "verschleierten" Beraterin bearbeitet worden, sagte S. aus. Die Frau habe ihn "wie den letzten Dreck" behandelt. "Daraufhin bin ich da nicht mehr hin und wollte nur noch von Hartz IV leben."

Interessant ist daran, dass der Plan offenbar aufging und S. keine Sanktionen auferlegt wurden, obwohl er sich nie wieder beim Amt meldete. Eigentlich müssen sich Bezieher von Arbeitslosengeld II regelmäßig beraten lassen und zumindest versuchen, eine Stelle zu finden. Ebenso auffällig ist, dass die Akte des späteren Attentäters wohl schon vor der Tat als "geheim" eingestuft wurde und somit nur von wenigen Mitarbeitern der Arbeitsagentur einsehbar war. War S. gar ein Informant für den Verfassungsschutz? Laut Stadt-Anzeiger bestreiten Sicherheitskreise diese Spekulation vehement.

"Aufgestanden, um am Abend im Gefängnis zu sitzen"

Die große Zahl an Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen und die Bemühungen der Politik, sie aufzunehmen, lösten in S. offenbar Verzweiflung aus. Vor drei Monaten betrat er eine Autobahnbrücke, band sich einen Strick um den Hals und befestigte das andere Ende an der Brücke. Aus "Perspektivlosigkeit" habe er sich umbringen wollen, sagte er aus: "Ich wollte in 20 Jahren nicht in einer muslimisch geprägten Gesellschaft leben." Doch er sprang nicht. Sein Überlebenswille habe gesiegt. "Da habe ich einen anderen Weg für mein Problem gefunden."

In Henriette Reker sah S. "eine Schuldige für dieses ganze Ausländerproblem", was man schon an ihrer Internetseite erkennen könne: "Da gibt es nur Beiträge zu Flüchtlingsthemen", so S. "Wenn Reker zehn Jahre im Amt ist, ist Deutschland endgültig zum Islam konvertiert."

Er informierte sich über Rekers öffentliche Auftritte. "Ich bin heute Morgen aufgestanden, um heute Abend als Mörder im Gefängnis zu sitzen", sagte er den Beamten im Polizeiwagen. Er habe auf den Hals gezielt und auch getroffen. "Ich hoffe, dass sie noch stirbt", so S. am Samstag. "Ich wollte sie töten, um Deutschland und auch der Polizei einen Gefallen zu tun."

Quelle: ntv.de, che