Politik
Der ehemalige NPD-Chef vor einem Jahr bei einer Pressekonferenz in Pampow (Mecklenburg-Vorpommern).
Der ehemalige NPD-Chef vor einem Jahr bei einer Pressekonferenz in Pampow (Mecklenburg-Vorpommern).(Foto: dpa)
Donnerstag, 19. Dezember 2013

Der "Bedauernswerte mit den pummeligen Fingern": Die NPD verliert ihren Chef

Die NPD liegt am Boden: Wahlen gehen verloren, die Kasse ist leer und die Länder wollen die rechtsextreme Partei verbieten. Nun geht auch noch Parteichef Apfel von Bord. "Burnout" sagt er selbst. Getuschelt wird aber über ganz andere Vorwürfe.

Der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel ist zurückgetreten. Er habe auch den Fraktionsvorsitz im sächsischen Landtag aufgegeben, teilte die rechtsextreme Partei auf ihrer Webseite mit. Als Grund werden dort gesundheitliche Probleme angegeben. Das Parteipräsidium wolle nun am kommenden Sonntag in einer Sondersitzung über die notwendigen Schritte beraten. Bis auf weiteres leiten bei beiden Stellvertreter, Udo Pastörs und Karl Richter, die Partei.

Apfels Rückzug habe nichts mit den parteiinternen Querelen zu tun, die in den vergangenen Wochen öffentlich wurden, sagte NPD-Sprecher Frank Franz. Apfel selbst sieht das anders. In seiner persönlichen Erklärung, die er mit "Liebe Kameraden" überschreibt, berichtet er sehr wohl von persönlichen Anfeindungen, üblen Nachreden und innerparteilichen Auseinandersetzungen. Er habe nicht mehr die Kraft, dagegen anzukämpfen. "Im Neudeutsch würde man dazu wohl 'Burnout' sagen", schreibt Apfel in seiner Stellungnahme.

Die seit Jahren immer wiederkehrenden innerparteilichen Grabenkämpfe hätten ihm zu schaffen gemacht. Dabei denke er an die alte Sozialneiddebatte über seinen angeblichen Reichtum, an die Häme, die ihm während seiner kurzzeitigen familiären Trennung entgegengeschleudert worden sei und an "niederträchtige Beleidigungen über körperliche bzw. sprachliche Unzulänglichkeiten". Und dieser Tage nun auch noch "ehrverletzende Verleumdungen".

Vorwurf der sexuellen Belästigung

Mit Letzterem meint Apfel offensichtlich jene Vorwürfe, von denen die Berliner Tageszeitung "taz" berichtet. Apfel sei möglicherweise mit "privaten kompromittierenden Aufnahmen erpresst" worden. Noch weiter geht die Seite bremer-schattenbericht, die sich mit neonazistischen Umtrieben in der Hansestadt beschäftigt. Dort wird berichtet, dass Apfel während des Wahlkampfs einen jungen Helfer der Freien Kräfte Leipzig "sexuell belästigt" haben soll. Seine Anschuldigungen soll der junge Neonazi seiner Partei intern versichert haben. Schon lange werde in der NPD über eine angebliche Homosexualität des Parteichefs getuschelt.

Von "Konkurrenzneid zerfressen"

Fest steht indes laut "taz", dass Parteivize Richter kein gutes Wort für seinen Chef übrig hatte. In einer internen Mail an seine Kameraden mache sich Richter, der im Münchner Stadtrat sitzt, über Apfels "Unzulänglichkeiten" lustig und nenne ihn einen "Parteiführer mit Sprachfehler ein Unding". Er lästert über den "Bedauernswerten mit seinen pummeligen Fingern", der von "Konkurrenzneid zerfressen" sei. Richter wirft Apfel vor, viel "Energie auf die Demontage verdienter Funktionsträger" verwendet zu haben. "Ein solcher Parteiführer führt nicht, motiviert nicht und integriert nicht, sondern er spaltet." Richter sitzt für die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" im Münchner Stadtrat und will sich als Spitzenkandidat der NPD für die Europawahl im kommenden Mai bewerben. Apfel hält Richter für den falschen Mann in dieser Position.

Apfels Konzept der "seriösen Radikalität" war bei vielen in der Partei als zu nachsichtig empfunden worden. Vor allem im Westen könnte die NPD nicht landen, die Mitgliederzahl sank immer weiter auf zuletzt 5.400. Auch die Finanzlage der Partei gilt als angeschlagen. Hin und wieder ist sogar von der Pleite der NPD die Rede. Beobachter erwarten nun, dass sich die Partei mit dem Rückzug Apfels weiter radikalisieren könnte.

Quelle: n-tv.de