Politik

"Frau Himmelreich ist auch hier" Die Rache der Liberalen

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Wolfgang Kubicki, frisch gewählter Beisitzer im Präsidium der FDP.

picture alliance / dpa

Ende Januar löst "Stern"-Reporterin Himmelreich mit einem Artikel über FDP-Spitzenkandidat Brüderle eine Sexismusdebatte aus. Beim Bundesparteitag der Liberalen zeigt sich: Die Delegierten haben nicht vergessen, dass die 29-Jährige der FDP und ihrem Oberwahlkämpfer geschadet hat.

Die FDP hat auf ihrem Bundesparteitag Revanche an der "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich geübt. Mit einer Anspielung auf die von ihr angestoßene Sexismus-Debatte brachte der schleswig-holsteinische Fraktionschef Wolfgang Kubicki für einen Moment die Mehrzahl der mehr als 600 Delegierten im Estrel Convention Center in Berlin gegen die 29-Jährige auf.

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Ihr Artikel "Der Herrenwitz" katapultierte "Stern"-Journalistin Himmelreich für kurze Zeit ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

(Foto: dpa)

Als Kubicki bei seiner Bewerbungsrede für den Posten des zweiten Beisitzers von einem Schlagabtausch mit dem politischen Gegner sprach, fügte er hinzu, dass natürlich ein verbaler Schlag gemeint sei. "Wir müssen ja heute aufpassen, was wir sagen. Ich habe gesehen, Frau Himmelreich ist auch hier." Die Delegierten quittierten die Anspielungen mit minutenlangem Applaus, Pfiffen und Gejohle.

Die "Stern"-Reporterin hatte Ende Januar eine Sexismus-Debatte rund um FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle angestoßen. In dem Artikel "Der Herrenwitz", einem Portrait über Brüderle beschrieb sie, wie Brüderles Blick bei einem Gespräch am Rande des Dreikönigstreffens vor einem Jahr auf ihren Busen wanderte. Und sie berichtete, was Brüderle daraufhin zu ihr sagte: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Die Schilderung löste eine Welle der Kritik gegen Brüderle und die FDP aus.

Kubicki will Journalistinnen im Privaten meiden

Kubicki meldete sich schon kurz nach dem Erscheinen des Artikels zu Wort. Er warf dem "Stern" vor, mit dem Artikel eine politische Kampagne zu verfolgen, die der FDP schaden solle. Sein Hauptargument: Der Vorfall lag bei Veröffentlichung des Artikels schon mehr als ein Jahr zurück, der Text erschien aber prompt, nachdem die FDP-Spitze Brüderle zum Spitzenkandidaten der Bundestagswahl bestimmte.

Der "Bild am Sonntag" sagte Kubicki damals: "Der 'Stern' behauptet, er wolle damit das Thema Sexismus in der Politik aufgreifen. Ich sehe einen ganz anderen Grund: Hier soll ein Hoffnungsträger der FDP mutwillig beschädigt werden. Die 'Stern'-Chefredaktion sollte sich die Frage stellen, ob sie das Blatt auf ein Niveau bringen will, dass man es nicht mehr empfehlen kann." Er kündigte zudem an, persönliche Kontakte zu Journalistinnen künftig einzuschränken. "Bislang waren abendliche Gespräche ob beim Essen oder nach einem Parteitag an der Hotelbar ein durch Vertraulichkeit geschützter Bereich."

Himmelreich reagierte zunächst nicht öffentlich auf den Angriff auf dem FDP-Parteitag in Berlin. Über den Kurznachrichtendienst Twitter, den sie im Zuge der Sexismus-Debatte wiederholt nutzte, äußerte sie sich zu Kubickis Angriff nicht. Beim Parteitag sprachen Kubicki und Himmelreich allerdings später noch miteinander.

Quelle: n-tv.de, ieh

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