Politik

Zweite TV-Debatte der Republikaner Die Trump-Show geht weiter

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Donald Trump garantiert volle Säle - und gute Einschaltquoten.

(Foto: dpa)

Donald Trump stellt die Regeln der US-Politik auf den Kopf. Egal, wen er beleidigt – in den Umfragen legt er zu. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dürfte er wieder seine Schimpfkanonaden starten.

Die amerikanische Politiklandschaft ist schon früher als Zirkus und Schlammschlacht bezeichnet worden. In diesem Jahr wurde sie jedoch zur Reality-Show, deren schrillster und kampffreudigster Teilnehmer sich anschickt, für eine weitere Episode auf Sendung zu gehen. "Donald Trump ist der größte Fernsehhit des Sommers, ein wahrer Quotengarant", titelte die "Los Angeles Times" Anfang dieses Monats.

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Jonathan Mann ist Korrespondent und Moderator bei CNN International.

(Foto: CNN)

Alle Augen werden sich bei der von CNN weltweit übertragenen zweiten Präsidentschaftsdebatte der republikanischen Partei an diesem Mittwoch auf Donald Trump richten. Tatsächlich wird es jedoch zwei Debatten geben: mittlerweile kandidieren so viele Republikaner, dass diese nun, basierend auf den aktuellen Umfragewerten, in zwei Durchgänge aufgeteilt werden.

Noch ist es mehr als ein Jahr bis zur Präsidentschaftswahl, weswegen Präsidentschaftsdebatten auf Menschen, die nicht eben von US-Politik besessen sind, wie unsinnige Pflichttermine wirken mögen. Trump jedoch, der laute Milliardär und verblüffend unkonventionelle Kandidat aus New York, hat diese Veranstaltungen zu wahren Fernsehevents gemacht, die man unter keinen Umständen verpassen darf. Seine helmartige Haarpracht zwischen Gold und Silber, sein unerschütterliches Selbstbewusstsein und sein mal unterhaltender, mal beleidigender Stil faszinieren Millionen von Amerikanern.

Einen seiner Mitbewerber, Senator Rand Paul, nannte Trump "ein verwöhntes Balg ohne ordentlich funktionierendes Gehirn". Über eine der weiblichen Kandidatinnen, Geschäftsfrau Carly Fiorina, sagte er: "Sehen Sie sich dieses Gesicht an! Würden Sie für so etwas stimmen?" Der frühere Gouverneur von Florida und Mitbewerber Jeb Bush mutmaßte, Trump versuche, sich den Weg zur Präsidentschaft frei zu beleidigen.

Es funktioniert

Wie auch immer man das nennt, was der Mann tut – es funktioniert. Trump führt seit Monaten in den Umfragen und er baut seinen Vorsprung immer weiter aus. Eine Befragung von CNN/ORC, die vor etwas mehr als einer Woche veröffentlicht wurde, führt ihn als die erste Wahl von 32 Prozent der Republikaner und unabhängigen Wähler, die tendenziell eher republikanisch abstimmen. Damit liegt Trump auf Platz eins – 13 Prozent vor seinem zweitplatzierten Rivalen. In einem Feld von 16 ernstzunehmenden Kandidaten ist dies ein maßgeblicher Vorsprung.

Selbstverständlich war Trump schon berühmt, bevor er an die Tür des Weißen Hauses zu klopfen begann. Zuletzt lernten ihn Millionen von Zuschauern durch seine Reality-Show "The Apprentice" – zu Deutsch etwa: der Azubi – kennen, in der er als Chef und Namensgeber jenes multinationalen Wirtschaftsimperiums auftrat, das ihn berühmt gemacht hat. Es liegt einige Ironie in der Tatsache, dass selbst englische Muttersprachler oftmals übersehen, wie großartig der Name dieses Mannes eigentlich ist:"trump" bedeutet "übertreffen".

Er neigt dazu, seinem Namen alle Ehre zu machen. Trumps Debüt bei einer Präsidentschaftsdebatte wurde von 24 Millionen Zuschauern gesehen, was nicht nur für den übertragenden Nachrichtensender Fox News, sondern auch für jeden anderen Nachrichtensender in den Vereinigten Staaten einen neuen Zuschauerrekord bedeutete.

Amerika hatte schon früher Kandidaten für wichtige Ämter gehabt, die es verstanden, mit den Medien umzugehen. Ronald Reagan etwa hatte seine Karriere gar im Filmgeschäft begonnen. Auch sind Kandidaten keine Neuheit, die reich genug sind, ihre Kampagnen allein zu organisieren und zu finanzieren, ohne auf Spender oder Parteien angewiesen zu sein. Der Milliardär Ross Perot tat dies schon 1992. Man hatte auch schon früher Populisten von außerhalb des politischen Establishments gesehen, die kein Blatt vor den Mund nahmen. Unvergessen bleibt die Republikanerin Sarah Palin, die 2008 als Vizepräsidentschaftskandidatin John McCains ins Rennen gegangen war.

Doch nun haben die USA zum ersten Mal einen Kandidaten, der all diese Attribute in einer Person vereint: Trump hat genug Schlag bei den Medien, genug Geld und Ottonormalverbraucher-Attitüde, um die Regeln brechen zu können. Vielleicht sogar, um zu gewinnen.

Nachdem unter den amerikanischen Wählern in der Vergangenheit die Frustration über ihre gewählten Repräsentanten größer und größer geworden war, haben sie sich nun einem Mann zugewandt, der noch nie ein gewähltes Amt bekleidet hat. Ob er nun Chancen hat, zum Präsident der Vereinigten Staaten gewählt zu werden oder nicht, eines steht fest: er sorgt für grandioses Fernsehen.

CNN International überträgt die Präsidentschaftsdebatte der Republikaner in der Nacht von Mittwoch, 16. September, auf Donnerstag, 17. September, live ab 0 Uhr MEZ. Eine Wiederholung wird am Donnerstag ab 21 Uhr ausgestrahlt.

Quelle: ntv.de