Politik

Wer tötete Libanons Ex-Premier Hariri? Die Welt schaut nach Den Haag

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Ein Hariri verehrendes Straßenschild in Beirut.

(Foto: REUTERS)

Der Prozess in Leidschendam ist eine Premiere. Ob er den Mord am libanesischen Ex-Premier Hariri aufklären wird, ist unklar. Doch selbst wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte, wird der Gerechtigkeit wohl nicht Genüge getan. Denn die Anklagebank ist leer.

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Auftakt zum Phantom-Prozess.

(Foto: Reuters)

Knapp neun Jahre nach dem Bombenattentat auf den ehemaligen libanesischen Premier Rafik Hariri beginnt vor dem Libanon-Sondertribunal in Den Haag der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder. Der internationale Gerichtshof ist spektakuläre Prozesse gegen internationale Menschenschinder gewohnt, doch der Hariri-Prozess ist anders als alle anderen früheren Verfahren. Denn auf der Anklagebank in dem früheren Bürohaus im Vorort Leidschendam werden diesmal keine ehemaligen Kriegsherren in Schlips und Anzug sitzen. Die Anklagebank bleibt bei diesem Prozess leer: Die Männer, die am 14. Februar 2005 in Beirut mit einer Bombe Ex-Ministerpräsident Hariri und 21 weitere Menschen getötet haben sollen, sind alle flüchtig.

Damit ist der Prozess bereits jetzt ein Unikum: Zum ersten Mal wird in Den Haag in Abwesenheit der Angeklagten geurteilt. Um ein ehrliches Verfahren zu garantieren, wurde allerdings eine unabhängige Verteidigung angestellt. Und in noch einem Punkt wird Rechtsgeschichte geschrieben. Es ist der erste Prozess eines internationalen Tribunals zu Terrorismus. Die Richter hatten Terrorismus als internationales Verbrechen definiert.

Vier Angeklagte und ein falsches Bekennervideo

Die vier Angeklagten sind alle Libanesen. Zwei von ihnen sind bekannte Mitglieder der pro-iranischen Schiiten-Bewegung Hisbollah. Sie sollen die operative Abwicklung des Sprengstoffattent ates geplant haben, über das möglicherweise auch die syrische Führung und der Iran vorab informiert waren. Die anderen beiden Angeklagten sollen "kleine Fische" sein. Dem Vernehmen nach sollen die beiden zusammen mit einem weiteren Verdächtigen, dessen Prozess noch in Vorbereitung ist, ein falsches Bekennervideo produziert haben, das den Verdacht auf sunnitische Extremisten lenken sollte.

Der bekannteste der vier Angeklagten ist Mustafa Badreddin, der heute angeblich im Iran lebt. Laut libanesischen Medien war der Schwager des 2008 ermordeten Top-Terroristen Emad Mughnija wegen seiner Beteiligung an Terror-Verschwörungen in den 80er Jahren in Kuwait inhaftiert worden. Während der irakischen Invasion in Kuwait 1990 konnte er fliehen.

Die Hisbollah leugnet bis heute standhaft jede Beteiligung an dem Hariri-Mord und versucht das Verbrechen Israel in die Schuhe zu schieben. Im Sommer 2011 interviewte das Magazin "Time" sogar einen der Angeklagten im Libanon. Er sagte damals: "Ich werde weiterhin ein normales Leben führen. Dem Tribunal und seinen Entscheidungen werde ich keinerlei Aufmerksamkeit widmen."

Hariris Mercedes in Stücke gerissen

Zweieinhalb Tonnen einer Sprengstoff-Mixtur enthielt die Bombe, die im Februar vor neun Jahren direkt neben Hariris Auto hochging. Der gepanzerte Mercedes S 600 wurde in Stücke gerissen, ein zwei Meter tiefer Krater in der Straße vor dem legendären Hotel St. Georges zeugte von der Gewalt der Explosion. Bei dem Anschlag waren neben Hariri weitere 22 Menschen ums Leben gekommen. 

Das blutige Attentat lässt das Land bis heute nicht ruhen, denn Hariri prägte die Politik des von Gewalt geprägten Landes lange Zeit. Ihm gelang es nach dem Bürgerkrieg die Hauptstadt wieder aufzubauen und die tiefen Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen zumindest teilweise wieder zuzuschütten. Nicht umsonst wurde der milliardenschwere Geschäftsmann von vielen als "Mr.Libanon" bezeichnet. Nach einer Pause wollte der 1944 geborene Sohn einer sunnitischen Bauernfamilie wieder in die Politik zurückkehren. Das wollten die Attentäter vermutlich verhindern.

In Beirut glaubt kaum jemand daran, dass der Prozess die Wunden von damals heilen wird.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa