Politik

Das Führungs-Sextett im Porträt Die neue Spitze der SPD

Der SPD-Parteitag in Dresden hat eine neue Führungsmannschaft mit Sigmar Gabriel als Parteichef gewählt. Dem Pragmatiker zur Seite gestellt wurde die Parteilinke Andrea Nahles als Generalsekretärin, die deutlich weniger Zustimmung erhielt. Die Riege der Stellvertreter des Parteivorsitzenden wurde auf vier vergrößert.

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(Foto: AP)

Sigmar Gabriel: Der Gymnasiallehrer für Deutsch und Politik ist seit 1977 Mitglied der SPD. Er erhielt 472 Ja-Stimmen, was einer Zustimmung von 94 Prozent entsprach. Der Niedersachse stellte sein Redetalent in einer fast zweistündigen, bejubelten Rede unter Beweis. Gut drei Jahre führte er bis Anfang 2003 als Ministerpräsident die Landesregierung in Hannover an.

Mit verlorener Landtagswahl kam der Bedeutungsverlust. Seine Ernennung zum "Pop-Beauftragten" der SPD brachte ihm den Spitznahmen "Siggi Pop" ein. Als Bundesumweltminister erwarb sich der 50-Jährige ab Herbst 2005 rasch Fachkenntnis wie auch Respekt selbst beim Gegner. Vor der Bundestagswahl lief er sich für den Vorsitz der Bundestagsfraktion warm, der aber an den gescheiterten Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier ging.

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(Foto: AP)

Andrea Nahles: Die bisherige Vizeparteichefin ist die Wortführerin der Linken in der SPD. Sie erhielt 355 Ja-Stimmen und damit nur 69,6 Prozent Zustimmung. Noch schlechtere Ergebnisse für dieses erst 1999 geschaffene Parteiamt hatten einst ihr Vorgänger Hubertus Heil (61,7 Prozent) und noch davor Olaf Scholz (52,6 Prozent) erzielt. Die 39-Jährige bewarb sich mit den Worten: "Ich glaube, es ist gut, wenn die SPD eine Frau als Generalsekretärin bekommt. Basta und Testosteron hatten wir in den letzten Jahren genug." In Anspielung auf frühere Äußerungen des bisherigen Parteichefs Franz Müntefering sagte sie: "Aus Mist kann Neues wachsen und gedeihen."

Im Oktober 2005 hatte die gelernte Germanistin und Politologin gegen Münteferings Willen schon einmal Anlauf genommen auf das Amt der Generalsekretärin. Müntefering nahm daraufhin seinen Hut als Parteichef. Als Generalsekretärin ist sie künftig Gabriel zwar untergeordnet - aber sie kontrolliert den Parteiapparat im Willy-Brandt-Haus. In den letzten Jahren sprachen beide kaum ein Wort miteinander.

Die Stellvertreter des Parteivorsitzenden:

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(Foto: AP)

Hannelore Kraft: "Ich teile die Vision, die Sigmar Gabriel dargestellt hat. Ich will bei dem Aufbruch dabei sein." Die Chefin des mitgliederstärksten SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen erhielt mit 459 Ja-Stimmen (90,2 Prozent) das beste Stellvertreterergebnis. Sie will bei der Landtagswahl kommenden Mai die schwarz-gelbe Regierung in Düsseldorf ablösen.

Die 48 Jahre alte Diplom-Ökonomin wird in der SPD als links bis pragmatisch eingeordnet. Sie plädiert dafür, Koalitionen mit der Linkspartei nicht von vorneherein auszuschließen. In Nordrhein-Westfalen sei die Linkspartei aber weder regierungs- noch koalitionsfähig - derzeit.

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(Foto: REUTERS)

Klaus Wowereit: Der Jurist ist seit über acht Jahren Regierender Bürgermeister von Berlin. Inzwischen führt er ein rot-rotes Bündnis im Abgeordnetenhaus. "Trotz der katastrophalen Niederlage (bei der Bundestagswahl) ist diese Partei in der Lage, offen miteinander zu diskutieren. Und sie ist auch in der Lage, gemeinsam nach vorne zu gehen", sagte er auf dem Parteitag. Er erhielt überraschend mit 455 Ja-Stimmen (89,6 Prozent) das zweitbeste Stellvertreterergebnis.

 Unmittelbar nach der Bundestagswahl hatte Wowereit lautstark gefordert, das im SPD-Bundestagswahlprogramm verankerte Tabu einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei im Bund zu kippen. Dem 56-Jährigen werden Ambitionen auf die SPD-Kanzlerkandidatur 2013 nachgesagt. Dafür müsste seine Berliner SPD 2011 bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus aber ein deutlich besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl einfahren, bei der sie auf 20,2 Prozent abstürzte.

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(Foto: dpa)

Olaf Scholz: Der in Hamburg aufgewachsene bisherige Bundesarbeitsminister war der Moderator, der Gabriel und Nahles für den Führungswechsel an einen Tisch brachte. Dennoch erhielt der 51-Jährige bei der Stellvertreterwahl mit 436 Ja-Stimmen die geringste Zustimmung (85,7 Prozent). Als Vorsitzender der Antragskommission prägte er zudem den Leitantrag für den Parteitag. "Lasst uns für die Arbeit kämpfen, das ist ein sozialdemokratisches Thema", warb er für seine Wahl. Inzwischen ist er auch Vizefraktionschef für Inneres und Justiz, seit kurzem auch Landeschef der Hamburger SPD.

Er hatte in der SPD bereits viele Ämter inne. 2002 stieg der Pragmatiker zum Generalsekretär der Bundespartei auf. Aus dem linken Lager wurde er angefeindet, weil er die Agenda-Politik des damaligen Bundeskanzlers und SPD-Chefs Gerhard Schröder verteidigte. Allerdings stehen Nahles und Scholz inzwischen - auch über ihre Vertrauensleute - in engem Kontakt.

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(Foto: REUTERS)

Manuela Schwesig: "Liebe Genossinnen und Genossen, mein Name ist Manuela Schwesig, und ich bin die Neue." So stellte sich die aus Frankfurt/Oder stammende Diplom-Finanzwirtin den Delegierten vor. Sie ist Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern und wurde bundesweit bekannt mit der Berufung in das Wahlkampfteam von Steinmeier.

Den stellvertretenden Parteivorsitz nannte sie eine "großartige und wunderbare Aufgabe", die ihr der Parteitag mit 454 Ja-Stimmen (87,8 Prozent) übertrug. An die Adresse des FDP-Gesundheitsministers Philipp Rösler sagte die 35-Jährige: "Jung sein reicht nicht. Man muss auch das Herz am richtigen Fleck haben."

Quelle: n-tv.de, rts

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