Politik

Vor tödlichem Bundeswehreinsatz Differenzen mit US-Kommando

Im Vorfeld der Militäroperation, bei der am Donnerstag vier Deutsche Soldaten ums Leben gekommen sind, soll es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen der deutschen Einsatzleitung in Nordafghanistan und dem US-geführten Hauptquartier in Kabul gekommen sein.

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Bundeswehrsoldaten im Feldlager Feisabad

(Foto: APN)

Im Vorfeld des ISAF-Einsatzes "Taohid", bei der am Donnerstag vier Deutsche Soldaten getötet wurden, hat es Differenzen zwischen der deutschen Einsatzleitung in Nordafghanistan und dem US-geführten Hauptquartier in Kabul gegeben. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" hatte die deutsche Einsatzleitung schwere Bedenken gegen den Einsatz, die der Kommandeur des Regionalkommandos für Nord-Afghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger, schriftlich beim Joint Command in Kabul geltend gemacht habe. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte im Grundsatz die Differenzen.

Ein Sprecher von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte zu "Bild am Sonntag": "Der Kommandeur des ISAF Regionalkommando Nord hat darauf hingewiesen, dass aufgrund eines Kontingentwechsels keine maximale Unterstützung für die Operation zu diesem Zeitpunkt möglich wäre und sie durch andere Kräfte von Verbündeten ausgeglichen werden müsse." Offenkundig sah General Leidenberger seine Truppe, die gerade wieder den alle paar Monate fälligen Komplett-Austausch bewältigt hatte, dem Auftrag nicht gewachsen.

Zuverlässigkeit der ANA kritisiert

Die deutschen Bedenken gegen den Beginn des Einsatzes "Taohid" richteten sich nicht nur gegen den Zeitpunkt, sondern auch gegen die Zuverlässigkeit der verbündeten afghanischen Armee (ANA). Statt der zugesagten 1300 ANA-Soldaten waren zu Beginn der Operation nach BamS-Informationen nur einige Hundert verfügbar. Ein deutscher Offizier sagte dazu "Bild am Sonntag": "Das ist immer so. Wir wissen nie, wie viele ANA-Soldaten wirklich kommen."

"Todesurteil für viele Kameraden"

Unverständnis herrscht im deutschen Kontingent nicht nur über das Vorgehen des Joint Command in Kabul in der Operation "Taohid". Wenig Verständnis hat man dort auch für die Vorschrift, dass alle größeren Operationen der ISAF-Truppen 24 Stunden vorher den afghanischen Behörden gemeldet werden müssen. Damit soll die Zivilbevölkerung die Chance erhalten, sich in Sicherheit zu bringen. Doch häufig sind dadurch auch die Taliban über den Verbleib der deutschen Soldaten informiert. Kommentar eine deutschen Offiziers gegenüber "Bild am Sonntag": "Das ist das Todesurteil für viele Kameraden."

Quelle: n-tv.de, dpa