Politik

Skandal um "Thüringer Heimatschutz" Dutzende V-Leute waren aktiv

Der Skandal um das Versagen der Geheimdienste zieht immer weitere Kreise. Einem Zeitungsbericht zufolge war das Neonazi-Bündnis "Thüringer Heimatschutz" zeitweilig von Dutzenden Spitzeln des Verfassungsschutzes durchsetzt.

Im Neonazi-Bündnis "Thüringer Heimatschutz" sollen laut einem Zeitungsbericht in den 1990er Jahren rund 40 der bis zu 140 Mitglieder V-Leute der Nachrichtendienste gewesen sein. Dies ergibt sich nach einem Bericht der Erfurter "Thüringer Allgemeinen" aus internen Berechnungen der Untersuchungsausschüsse von Bundestag und Landtagen, die sich mit der Terrorzelle NSU beschäftigen.

Auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und waren zeitweise im "Thüringer Heimatschutz" aktiv. Die Vize-Chefin des Thüringer Untersuchungsausschusses, Martina Renner (Linke), sagte der Zeitung: "Die Organisation war von Spitzeln durchsetzt." Die V-Leute bekamen teilweise vom Verfassungsschutz Geld, das auch den NSU-Terroristen zugute kam.

Die Zeitung berichtete zudem, dass für den mutmaßlichen Terror-Helfer Ralf Wohlleben Mitte September eine erneute Haftprüfung anstehe. Dies habe die Bundesanwaltschaft bestätigt. Seine Anwältin teilte dem Blatt mit, sie warte auf die entsprechenden Papiere aus Karlsruhe. Er soll ebenso wie Beate Zschäpe offenkundig wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden.

Die NSU-Gruppe soll für die Ermordung von neun Migranten und einer Polizistin zwischen 2000 und 2007 verantwortlich sein. Außerdem werden ihr zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt. Mundlos und Böhnhardt waren Anfang November 2011 nach einem gescheiterten Banküberfall tot in einem Wohnmobil in Eisenach gefunden worden.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/AFP