Politik

Libyen macht dicht EU-Bürger unerwünscht

Bürger der Europäischen Union können derzeit nicht nach Libyen einreisen. Das nordafrikanische Land verweigert allen EU-Bürgern mit Ausnahme der Briten die Erteilung von Einreise-Visa. Gründe werden nicht genannt, doch ein Zusammenhang mit der "Hannibal-Affäre" in der Schweiz und ihren Folgen liegt auf der Hand.

gaddafi.jpg

Gaddafi lässt EU-Bürger nicht mehr einreisen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Libyen verweigert Bürgern aus fast allen EU-Staaten die Einreisevisa. Davon seien lediglich britische Reisende ausgenommen, hieß es in Tripolis. "Es stimmt. Diese Entscheidung ist gefallen. Keine Visa für Europa, außer Großbritannien", sagte ein Vertreter des Flughafens. Gründe für die Entscheidung wurden nicht genannt. Eine Bestätigung der Aussage liegt weder von der libyschen Regierung noch von Europäischen Union vor.

Tauziehen zwischen Tripolis und Bern

Libyen und die Schweiz liegend seit Monaten wegen der Aktivitäten zweier schweizerischer Geschäftsleute in dem nordafrikanischen Land im Streit. Die Zeitung "Oea", die dem Sohn von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi Seif el Islam nahesteht, hatte unlängst berichtet, Libyen werde die Erteilung von Visa für Bürger aus den Ländern des Schengen-Abkommens beenden. Zum Schengen-Raum, in dem unkontrolliertes Passieren der Grenzen möglich ist, gehört auch die Schweiz.

Laut "Oea" hat die Schweiz 188 hochrangigen Libyern die Einreise verboten. Von dem Verbot seien auch Staatschef Gaddafi und seine Familie betroffen. Eine Sprecherin des Schweizer Außenministeriums wollte die Informationen nicht bestätigen und verwies lediglich auf die restriktive Visa-Erteilung für libysche Staatsbürger.

"Die Behörden des Schweizer Staatswesens haben eine Weisung erlassen, die 188 libyschen Persönlichkeiten die Einreise auf Schweizer Territorium verbietet", hieß es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf einen ranghohen libyschen Vertreter. Von dem Einreiseverbot seien außerdem Vertreter der Wirtschaft, Militärs und Geheimdienstmitarbeiter des nordafrikanischen Landes betroffen.

Die "Hannibal-Affäre"

Im vergangenen Juni hatte die Regierung in Bern die Visa-Bedingungen für libysche Staatsbürger verschärft. Visa werden nur noch in Ausnahmefällen erteilt. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit der kurzzeitigen Festnahme von Hannibal Gaddafi, einem Sohn Muammar el Gaddafis, im Sommer 2008 in Genf angespannt. Dem Gaddafi-Sohn und seiner Frau war vorgeworfen worden, zwei Hotel-Angestellte misshandelt zu haben. Libyen nahm daraufhin zwei Schweizer Geschäftsleute fest und stellte sie vor Gericht.

Quelle: ntv.de, rts/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.