Politik

Gegenwind für Ägyptens Regierung El-Baradei fordert Mubarak heraus

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ElBaradei und seine Frau Aida auf dem Wiener Flughafen.

(Foto: REUTERS)

Er ist einer der schärfsten Kritiker der ägyptischen Regierung: Mohamed ElBaradei. Der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde ist bereit, unter Umständen eine Übergangsregierung in Ägypten zu führen. Schon am Freitag will er persönlich an den Protesten teilnehmen. Die Polizei hat bereits 1000 Demonstranten festgenommen.

Der ägyptische Oppositionspolitiker Mohamed el-Baradei hat sich in die Proteste seiner Landsleute gegen die Regierung von Präsident Husni Mubarak eingeschaltet. Er sei bereit, einen politischen Wechsel in Ägypten anzuführen, wenn die Menschen dies wünschten, sagte er in Wien. Am Freitag will er selbst an den Demonstrationen teilnehmen, im Zuge derer bislang bereits tausend Menschen festgenommen wurden.

"Wenn die Menschen, vor allem die jungen Menschen, möchten, dass ich den Übergang anführe, werde ich sie nicht hängen lassen", sagte der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Von Wien aus wollte er nach Kairo reisen, um am Freitag an geplanten Protesten der Opposition gegen die Regierung teilzunehmen. "Das Wichtigste für mich ist nun, ein neues Ägypten zu sehen, und zwar eines, das durch einen friedlichen Wechsel erreicht wurde."

El-Baradei gilt als einer der schärfsten Kritiker der ägyptischen Regierung. Er befürwortet vehement die Proteste seiner Landsleute, die nach dem Vorbild der Tunesier seit Tagen gegen die Regierung demonstrieren. Es sind die schwersten Proteste in Ägypten seit Mubaraks Amtsantritt im Jahr 1981. Dem Magazin "Der Spiegel" sagte el-Baradei jüngst, die Proteste "markieren den Beginn eines historischen Prozesses". "Was die Tunesier können, sollten doch auch wir Ägypter schaffen." Den Tunesiern war es gelungen, mit wochenlangen Protesten Machthaber Zine El Abidine Ben Ali aus dem Land zu jagen.

Weitere Proteste trotz Verbots

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Bei den Protesten kamen bislang sechs Menschen ums Leben.

(Foto: AP)

Seit Beginn der Proteste am Dienstag wurden in ganz Ägypten mindestens tausend Menschen in Gewahrsam genommen, wie ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte. Dennoch werden weitere Proteste erwartet, zu denen vor allem die pro-demokratische "Bewegung des 6. April" aufrief. Sie benannte sich nach dem Tag ihrer ersten großen Demonstration 2008.

Ungeachtet eines Demonstrationsverbots hatten sich am Mittwoch erneut zahlreiche Menschen zu Kundgebungen gegen die Regierung versammelt. Im Zentrum Kairos und in Suez kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Polizei setzte Tränengas ein und feuerte Gummigeschosse ab, einige Demonstranten warfen Steine. Die Proteste in Kairo dauerten bis in die Nacht an, als die Polizei die Menge schließlich auseinander trieb. Insgesamt sechs Menschen starben seit Beginn der Demonstrationen am Dienstag, darunter zwei Polizisten, 70 Menschen wurden verletzt.

Börse setzt den Handel aus

Angesichts der Lage in dem Land brach die Börse in Kairo ein, die Kurse fielen um mehr als sechs Prozent. Der Handel wurde vorübergehend ausgesetzt. Die bereits im Zusammenhang mit Tunesien bekannt gewordene Hacker-Gruppe Anonymous warnte die Regierung außerdem davor, den Demonstranten den Zugang zum Internet zu erschweren. Andernfalls würden die Seiten der Regierung lahmgelegt, drohten sie in einer Erklärung auf Facebook.

Auswärtiges Amt warnt

Das Auswärtige Amt empfahl Touristen in Ägypten dringend, "Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden". Deutsche erhöhten ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Anbieter würden Ausflüge an Orte absagen, an denen Demonstrationen geplant seien, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Pläne für Rückhol-Aktionen von Urlaubern gebe es derzeit jedoch nicht.

Die seit Tagen anhaltenenden Proteste gegen Mubarak sorgten indes für Unruhe unter den Anlagern. Wegen eines erneuten Kursrutsches setzte die unterdessen den Handel kurzzeitg aus. Der Leitindex war zuvor um 6,2 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 5916,74 Punkte gefallen.

Quelle: n-tv.de, AFP