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200 Kilometer bis Jerusalem Eltern marschieren für Schalit

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Der Marsch soll 200 Kilometer bis nach Jerusalem führen.

(Foto: AP)

Seit vier Jahren wird der israelische Soldat Gilad Schalit von der Hamas festgehalten. Nun versuchen die Eltern und Tausende Israelis mit einem Protestmarsch Druck auf die israelische Regierung auszuüben, die Verhandlungen zur Freilassung zu intensivieren.

Tausende Israelis haben für stärkere Bemühungen der Regierung um eine Freilassung des vor vier Jahren entführten Soldaten Gilad Schalit demonstriert. Als Zeichen der Solidarität marschierten nach Angaben der Veranstalter etwa 7500 Menschen mit der Familie Schalits, der im Gazastreifen festgehalten wird. Der Marsch begann in Schalits Heimatort Mizpe Hila östlich der Küstenstadt Naharia im Norden Israels und soll binnen zwölf Tagen bis Jerusalem führen. "Heute gehen wir auf eine lange, beschwerliche Reise und wir kommen nur mit Gilad zurück", sagte die Mutter Aviva Schalit zu Beginn des etwa 200 Kilometer langen Fußmarsches.

In Jerusalem wollen die Eltern in einem Zelt vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu solange ausharren, bis Schalit freikommt. "Wir haben vier Jahre gewartet, Gilad hat vier zermürbende Jahre gewartet, und wartet immer noch auf jene, die ihn geschickt haben - seine Kommandeure, den Ministerpräsidenten und den Verteidigungsminister - aber sie antworten nicht", sagte Vater Noam Schalit. "Wir werden nicht mehr warten."

Netanjahu für "entschlossene Haltung"

Der Marsch soll in Küstennähe verlaufen, am 5. Juli ist die Ankunft in Tel Aviv geplant. Von dort aus geht es in südwestlicher Richtung weiter ins Landesinnere, bis zur Ankunft in Jerusalem am 8. Juli. Die erste Station war Schalits ehemaliges Gymnasium im Kibbutz Kabri.

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Noam und Aviva Schalit, die Eltern des Soldaten.

(Foto: AP)

Netanjahu sagte während der Kabinettssitzung, Israel bemühe sich mit offenen und verdeckten Mitteln um eine Freilassung Schalits. Er habe mit den Eltern telefoniert und sie zu einem Gespräch eingeladen. Israelische Medien berichteten, der Regierungschef wolle trotz allem eine "entschlossene Haltung" bei Verhandlungen über eine Freilassung Schalits beibehalten.

Militante Palästinenser unter Führung der Hamas hatten am 25. Juni 2006 einen israelischen Grenzposten angegriffen und dabei zwei Soldaten getötet. Sie verschleppten anschließend den heute 23 Jahre alten Schalit von israelischem Boden aus in den Gazastreifen.

BND an Verhandlungen beteiligt

Die Hamas fordert von Israel, im Gegenzug für die Freilassung von Schalit 1000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen zu entlassen. 450 davon sind von der Hamas ausgewählt worden. Sie verbüßen wegen der direkten oder indirekten Beteiligung an blutigen Terroranschlägen zum Teil lebenslange Freiheitsstrafen. Israel fürchtet, sie könnten im Falle ihrer Freilassung erneut Anschläge verüben. An den Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und der Hamas war seit Sommer vergangenen Jahres neben Ägypten auch der deutsche Bundesnachrichtendienst beteiligt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat an die im Gazastreifen herrschende Hamas-Organisation appelliert, endlich Besuche der Familie sowie von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz bei dem Soldaten zuzulassen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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