Politik

"Die erste Kultfigur" Empfang für Genscher

Bei einem Geburtstagsempfang mit 1.500 Gästen hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die "großen politischen Leistungen" des langjährigen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP) gewürdigt. Genscher wurde am Donnerstag 75.

Schröder sagte, Genscher habe "Geschichte mitgeschieben und ist inzwischen selbst ein Stück Geschichte des Landes". Mit seinen "schrillen, gelben Pullundern" sei er die erste Kultfigur der deutschen Karikatur gewesen.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) lobte den Abgeordneten Genscher. In den 33 Jahren seiner Mitgliedschaft im Bundestag sei er für seine Kollegialität und Fairness bekannt gewesen. Nie habe er in seinen Reden persönliche Attacken gegen andere gerichtet.

Den "großen Staatsmann" würdigten auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, der Kanzlerlandidat der Union, Edmund Stoiber, und FDP-Chef Guido Westerwelle.

Genschers Nachfolger Joschka Fischer hob als politisches Vermächtnis des Jubilars hervor, auf dem internationalen Parkett mehr durch Bescheidenheit als durch großspuriges Auftreten zu glänzen. Er hoffe, sagte Fischer, dass es seiner Generation gelinge, diese Lehre Genschers an die nächste Generation weiterzugeben.

Genscher dankte mit der Bemerkung, die Tatsache, dass ihm so viel Anerkennung von Repräsentanten anderer Parteien ausgesprochen worden sei, spreche für die politische Kultur im Lande. Auf dem Empfang war viel Polit-Prominenz vertreten: der russische Außenminister Igor Iwanow, der ungarische Staatspräsident Ferenc Madl, Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU), der frühere sowjetische Außenminister und jetzige georgische Staatspräsident Eduard Schewardnadse sowie Genschers frühere Minister-Kollegen Otto Graf Lambsdorff (FDP), Wolfgang Schäuble (CDU), Theo Waigel (CSU) und Volker Rühe (CDU). Weitere Gäste waren der Schauspieler Mario Adorf, der Kabarettist Dieter Hallervorden und die Sängerin Dunja Rajter.

Genscher-Straße Nr. 1

Eine Würdigung der anderen Art schenkte das Fischerdorf Loddin auf der Ostseeinsel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern) dem Jubilar. Im ehemaligen Diplomatenviertel, wo zu DDR-Zeiten ausländische Diplomatenfamilien ihre Urlaube verlebten, wird es eine Hans-Dietrich-Genscher-Straße geben. Übrigens bekommt auch Ex-Kanzler Kohl eine Straße.

Genscher, der am 21. März 1927 in der kleinen Ortschaft Reideburg bei Halle geboren wurde, gilt als einer der Mitgestalter der deutschen Einheit. Er war von 1974 bis 1985 FDP-Vorsitzender, von 1969 bis 1974 Innenminister und von 1974 bis 1992 Außenminister. Am 27. April 1992, kurz nach seinem 65. Geburtstag, hatte Genscher überraschend um seine Entlassung gebeten.

Quelle: n-tv.de

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