Politik

Missbrauchte Heimkinder Entschädigung bleibt umstritten

Demütigungen und Schläge, Missbrauch und Zwangsarbeit waren noch bis in die 70er Jahre in Kinderheimen in Deutschland an der Tagesordnung. Jetzt sollen die Opfer möglichst rasch entschädigt werden. Allerdings ist die Summe gedeckelt. Ehemalige Heimkinder fordern eine pauschale Opferrente von monatlich 300 Euro - oder eine fünfstellige Entschädigungssumme.

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Das Kunstwerk "Im Namen des Herrn" der Künstler Gudrun Adrion und Eckhardt Kowalke vor der Kirche zu Herrenhausen in Hannover (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Entschädigungsfonds für misshandelte Heimkinder soll möglichst noch in diesem Jahr eingerichtet werden. Dieses Ziel nannten Vertreter aller Bundestagsfraktionen, als der Abschlussbericht des Runden Tisches an Parlamentspräsident Norbert Lammert übergeben wurde.

Unter Leitung der früheren Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne) hatte sich der Runde Tisch im vergangenen Jahr auf die Einrichtung einer Stiftung verständigt, die vom Bund, den westdeutschen Bundesländern und den beiden großen christlichen Kirchen mit insgesamt 120 Millionen Euro ausgestattet wird. Das Geld soll an Hunderttausende ehemaliger Heiminsassen fließen, die bis in die 70er Jahre hinein in Kinder- und Jugendheimen geschlagen, schikaniert und zum Teil sexuell missbraucht wurden. Zudem mussten sie dort schwere körperliche Arbeiten leisten, für die sie oft nur minimal entlohnt wurden.

Vollmer mahnte eine schnelle Einigung von Bund und Ländern an. Wenn Ende des Jahres die Stiftung eingerichtet sei, habe sich der Bundestag - anfangs im Petitionsausschuss, später am Runden Tisch - insgesamt fünf Jahre lang damit beschäftigt. "Es darf keinen Tag länger dauern." Georg Gorrissen vom Sozialministerium in Schleswig-Holstein erklärte allerdings, es gebe noch erheblichen Abstimmungsbedarf zwischen Bund, Kirchen und den elf betroffenen Bundesländern. Ein Abschluss noch in diesem Jahr sei deshalb ein "ehrgeiziger Zeitfahrplan".

Viele ehemalige Heimkinder klagen

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche drängten ebenfalls zur Eile. Viele der der Heime waren von den Kirchen organisiert, weshalb diese ein Drittel der Entschädigungssumme übernehmen.

Von den 120 Millionen Euro soll ein Großteil für die Behandlung von traumatischen Folgeschäden eingesetzt werden. Nur etwa 20 Millionen Euro sind als Ausgleich für Zwangsarbeiten und die dadurch fehlenden Beitragszeiten bei der Rentenversicherung vorgesehen.

Viele ehemalige Heimkinder sind mit dem Ergebnis jedoch unzufrieden und wollen vor Gericht klagen. Sie fordern eine pauschale Opferrente von monatlich 300 Euro oder eine Einmalzahlung von 54.000 Euro für jeden Betroffenen. Auch Sonja Djurovic, die am Runden Tisch dem Abschlussbericht zugestimmt hatte, appellierte an die Politiker, die vereinbarte Summe noch einmal zu überdenken. Viele Betroffene empfänden den Kompromiss als "erneutes Unrecht". Rolf Breitfeld, der ebenfalls als Opfervertreter am Runden Tisch saß, nannte den Fonds unterfinanziert. Für jeden Betroffenen bleibe ein durchschnittlicher Rentenausgleich von lediglich 666 Euro.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa

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