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Sanktionen nicht ausgeschlossen Erdogan ist enttäuscht von Merkel

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Präsident Erdogan findet deutliche Worte für Angela Merkel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der türkische Präsident Erdogan kritisiert die Entscheidung des Bundestags zur Armenien-Resolution. Deutschland könne einen wichtigen Freund verlieren. Die Abstimmung habe keinen Wert.

Wertet der türkische Präsident Erdogan die Armenien-Resolution im Bundestag als Verrat? In türkischen Medien findet er jedenfalls deutliche Worte für den Deutschen Bundestag, die Regierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Neubewertung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich lehne er ab: "Die vom deutschen Parlament getroffene Entscheidung hat absolut keinen Wert", sagte er nach Angaben türkischer Medien bei einer Afrika-Reise. 

Zugleich geht er auch hart mit Angela Merkel ins Gericht: Die Kanzlerin habe ihm versprochen, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Annahme der Resolution zu verhindern, sagte er. Er verstehe nicht, warum die CDU-Vorsitzende es nicht geschafft habe, ihre eigene Partei dazu zu bringen, gegen die Resolution zu stimmen. "Nun frage ich mich: Wie werden deutsche Spitzenpolitiker, nach einer solchen Entscheidung, mir und unserem Premier persönlich gegenübertreten können?" Er äußerte sich enttäuscht darüber, dass Merkel sich nicht an der Debatte im Bundestag beteiligt hatte. "Ich hätte mir gewünscht, dass sie teilnimmt und dass sie abstimmt".

Erdogan pocht auf faire Behandlung

Der türkische Präsident warnte, Deutschland könne einen "wichtigen Freund" verlieren und verwies ausdrücklich auf die Millionen türkischstämmiger Menschen in Deutschland. Sanktionen gegen die Bundesrepublik wollte er ausdrücklich nicht ausschließen. Das Flüchtlingsabkommen und die Visa-Frage seien aber Angelegenheit der EU, sagte er mehreren Zeitungen.

Erdogan warnte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, der Türkei gebühre eine "faire" Behandlung. Andernfalls werde die Türkei für die EU nicht länger als Barriere für Flüchtlinge einspringen. "Wir werden die Anschuldigung eines Völkermords niemals akzeptieren", sagte Erdogan. Und speziell Deutschland habe kein Recht, in dem Punkt Urteile zu fällen, sagte Erdogan mit Blick auf die Verbrechen Deutschlands während der NS-Diktatur und in Namibia. Zwischen 1904 und 1908 hatten Kaiserliche Truppen in Deutsch-Südwest Zehntausende Herero und Nama ermordet.

Am Donnerstag hatte der Bundestag die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich als Völkermord verurteilt. Nach armenischer Darstellung wurden damals bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet. Die Türkei spricht von deutlich weniger Toten und lehnt den Begriff Genozid vehement ab. In Deutschland, auch in Teilen der Medien, gebe es Gruppen, die der Türkei offen feindlich gegenüber stünden, sagte Erdogan dem Blatt "Daily Sabah" zufolge. Diese seien in Verschwörungen gegen das Land verwickelt. Die Regierung in Ankara rief den türkischen Botschafter aus Berlin zurück und bestellte den deutschen Vertreter in Ankara ein.

Quelle: n-tv.de, sgu/AFP/dpa

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