Politik
Erdogan will im August zum Präsidenten gewählt werden.
Erdogan will im August zum Präsidenten gewählt werden.(Foto: AP)
Sonntag, 20. Juli 2014

"In Sachen Barbarei übertroffen": Erdogan vergleicht Israelis mit Hitler

Der türkische Premier Erdogan ist bekanntermaßen kein Freund Israels. Im Wahlkampf zieht er nun alle Register, spricht von "Völkermord" - und zieht einen zweifelhaften Vergleich.

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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat mit einem Hitler-Vergleich im Zusammenhang mit der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Ordu kritisierte Erdogan das Vorgehen der israelischen Armee in dem palästinensischen Küstenstreifen und verwies auf die zahlreichen getöteten Zivilisten.

"Sie (die Israelis) haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz. Jene, die Hitler Tag und Nacht verurteilen, haben Hitler in Sachen Barbarei übertroffen", sagte Erdogan. In der Türkei wird im August ein neuer Präsident gewählt, Erdogan tritt als Kandidat an.

In seiner israelkritischen Rede, in der er Israel einen "Völkermord" im Gazastreifen vorwarf, rief Erdogan die türkische Bevölkerung zugleich zur Ruhe auf. Es dürfe keine Übergriffe auf jüdische Mitbürger geben. In dem muslimisch geprägten Land leben etwa 17.000 Juden.

Wegen der Gazaoffensive war es in den vergangenen Nächten in mehreren türkischen Städten zu Anti-Israel-Demonstrationen gekommen. Eine regierungsfreundliche Zeitung veröffentlichte ein Hitler-Kreuzworträtsel. Türkische Medien berichteten zudem von einer Welle von Twitter-Einträgen, in denen Israel scharf kritisiert und Bezüge zu Nazi-Deutschland hergestellt worden seien.

Reisewarnung in Israel

Das israelische Außenministerium sprach am Samstag eine Reisewarnung für die Türkei aus. Demnach sollten Israelis eine Reise in das Land möglichst vermeiden. Wenn es sich nicht anders einrichten ließe, sollten israelische Bürger bei einem Besuch in der Türkei wachsam sein und Demonstrationen meiden.

Die Beziehungen der einst befreundeten Staaten haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Einen Tiefpunkt erreichte das Verhältnis, als die israelische Marine ein türkisches Boot auf dem Weg zum Gazastreifen aufbrachte und dabei zehn Menschen an Bord tötete. Nach türkischen Angaben sollte das Schiff Hilfsgüter in den abgeschirmten Gazastreifen bringen. Israel warf der überwiegend türkischen Besatzung vor, die Gaza-Blockade durchbrechen zu wollen.

Die israelische Armee geht seit knapp zwei Wochen gegen radikale Palästinenser im Gazastreifen vor. Dabei sind nach palästinensischen Angaben weit mehr als 300 Menschen getötet worden, darunter 70 Kinder und Dutzende weitere Zivilisten. Auf israelischer Seite starben bislang fünf Soldaten und zwei Zivilisten. Mit dem Militäreinsatz will Israel den Raketenbeschuss auf sein Territorium durch Kämpfer der radikal-islamischen Hamas unterbinden.

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Quelle: n-tv.de