Politik

Streit um Trumps Nahost-Plan Erdogan wirft arabischen Staaten Verrat vor

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"Ganz besonders Saudi-Arabien schweigt. Wann wird es sein Schweigen brechen?", wetterte Erdogan.

(Foto: imago images/Depo Photos)

Der Nahost-Plan von US-Präsident Trump stellt den Palästinensern zwar einen eigenen Staat in Aussicht, verspricht Jerusalem aber den Israelis. Trotzdem halten sich arabische Staaten wie Saudi-Arabien mit Kritik zurück. Eine Schande, wettert der türkische Präsident Erdogan.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat mehrere muslimisch geprägte Staaten für ihre Unterstützung des Nahostplans von US-Präsident Donald Trump verurteilt. "Einige arabische Länder, die einen solchen Plan unterstützen, begehen Verrat an Jerusalem sowie an ihrem eigenen Volk und - noch wichtiger - an der gesamten Menschheit", sagte Erdogan vor dem türkischen Parlament in Ankara.

Die Türkei lehne den Plan, den Trump am Dienstag gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vorgestellt hatte, kategorisch ab. Er stellt den Palästinensern zwar einen eigenen Staat in Aussicht, allerdings unter strikten Auflagen und erheblichen Zugeständnissen an Israel. Unter anderem heißt es, Jerusalem solle die ungeteilte Hauptstadt Israels bleiben. Die Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates soll dagegen in Vororte verlegt werden. Schon kurz nach der Vorstellung hatte Erdogan gesagt, dieser Plan sei "absolut inakzeptabel". Er vernichte Palästina. "Jerusalem ist unsere rote Linie."

"Schande über Euch!"

Erdogan, der als starker Verfechter der Rechte der Palästinenser gilt, konzentrierte sich mit seiner Kritik vor allem auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und den Oman. "Ganz besonders Saudi-Arabien schweigt. Wann wird es sein Schweigen brechen? Man schaut sich Oman, Bahrain und Abu Dhabi an - das Gleiche", sagte Erdogan. "Schande über Euch! Schande über Euch!"

Auch die regierungsnahe türkische Presse richtet sich regelmäßig gegen bestimmte arabische Länder, insbesondere Saudi-Arabien und die Emirate, denen sie vorwirft, sich Israel auf Basis der gemeinsamen Feindseligkeit gegenüber dem Iran anzunähern. Bislang griff Erdogan Saudi-Arabien allerdings selten direkt verbal an.

Auch in Jordanien protestierten zahlreiche Menschen gegen den Nahost-Plan der US-Regierung. In der Hauptstadt Amman versammelten sich Dutzende Demonstranten in der Nähe der US-Botschaft. In einem Telefongespräch mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas unterstrich Jordaniens König Abdullah seine Unterstützung für die Palästinenser im Kampf um einen eigenen Staat, wie es in einer Mitteilung des Palastes hieß. In Jordanien leben nach UN-Angaben rund zwei Millionen palästinensische Flüchtlinge.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa