Politik

Schüsse am Erfurter Bahnhof Ermittlungen gegen Zschäpe eingestellt

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Zschäpe muss sich derzeit wegen der NSU-Mordserie vor Gericht verantworten.

(Foto: dpa)

In den 90er Jahren werden offenbar zwei Männer am Erfurter Bahnhof beschossen. Jahre später gerät die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe ins Visier der Ermittler. Sie wollen klären, ob sie an dem Vorfall beteiligt war. Doch der Verdacht bestätigt sich nicht.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat ihre Ermittlungen gegen Beate Zschäpe wegen einer mutmaßlichen Schießerei am Erfurter Bahnhof eingestellt. Aus Zeugenaussagen hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben, dass die mutmaßliche Rechtsterroristin in den Zwischenfall am Silvesterabend 1996 unmittelbar verwickelt war, sagte Oberstaatsanwältin Anette Schmitt-ter Hell dem Sender MDR Thüringen. Die Behörde hatte zuvor wegen eines versuchten gemeinschaftlichen Tötungsdelikts gegen die im Münchner NSU-Prozess angeklagte Zschäpe ermittelt.

Bei dem Vorfall im Bahnhof Erfurt vor knapp 17 Jahren sollen zwei Männer aus Hamburg von einer Gruppe offenbar Rechtsextremer attackiert und beschossen worden sein. Später war der Verdacht aufgekommen, dass Zschäpe und ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an dem Zwischenfall beteiligt waren.

Schmitt-ter Hell sagte nun dem MDR, mehrere Zeugen hätten sich bei den Befragungen an Schüsse erinnern können, darunter auch Beamte der Bundespolizei. Allerdings seien die Schüsse vermutlich aus einer Gruppe von Männern abgegeben worden, so dass ein Verdacht gegen Zschäpe entfalle. Überdies sei nicht mehr zu klären, ob die Schüsse mit Tötungsabsicht abgegeben worden seien, weil Einschusslöcher oder andere Indizien heute nicht mehr zu finden seien.

Zeugin sagt zum Mord an Habil Kilic aus

Zschäpe und die im November 2011 gestorbenen Mundlos und Böhnhardt sollen 1998 die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gegründet haben. Im NSU-Prozess muss sich Zschäpe seit dem Frühjahr unter anderem wegen Mittäterschaft bei den Morden an neun türkisch- und griechischstämmigen Geschäftsleuten und einer Polizistin verantworten, die der Terrorzelle zur Last gelegt wird.

Bei dem Prozess in München beschrieb indes eine Zeugin, wie sie das NSU-Opfer Habil Kilic mit schwersten Schussverletzungen in seinem Lebensmittelgeschäft in München fand. Zuerst habe sie nur ein blubberndes Geräusch gehört, wie von einer Kaffeemaschine, erzählte die Zeugin, die in dem Laden einkaufen wollte. "Dann habe ich den Mann voll Blut am Boden gesehen." Kilic habe wohl noch gelebt, schilderte die Zeugin.

Ein Rechtsmediziner erklärte vor Gericht, dass Kilic maximal wenige Minuten überlebt haben könne. Er sei aber wohl nicht mehr bei Bewusstsein gewesen. Die Terroristen hatten ihm zwei Mal in den Kopf geschossen.

Laut Anklage haben die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Lebensmittelhändler am 29. August 2001 erschossen. Er war das vierte Todesopfer des NSU. Nach Einschätzung der Polizei handelte es sich um eine "absolut professionelle Hinrichtung".

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

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