Politik

Ärger bei den Piraten "Es gibt ein Problem mit Ponader"

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Ponader hält sich nach Angaben andere Vorstandsmitglieder nicht an Absprachen.

(Foto: REUTERS)

Johannes Ponader ist bekannt für seine Fernsehauftritte in Sandalen und für sein Künstlerleben als Hartz-IV-Empfänger. In den eigenen Reihen kommt das nicht immer gut an. Doch der Geschäftsführer ignoriert Kritik und setzt damit seine politische Karriere aufs Spiel.

In den Meinungsumfragen hat sich der Trend gegen die Piratenpartei gekehrt - jetzt sorgt auch noch interner Streit an der Spitze für schlechte Stimmung. Der Bundesvorstand - erst vor fünf Monaten gewählt - ist tief zerstritten. Von "Rücktritten" ist die Rede.

Auslöser der Eskalation ist offenbar, wie sich der politische Geschäftsführer Johannes Ponader in der Öffentlichkeit darstellt. Der polarisierende Pirat mit Sandalen sorgte bei Fernsehauftritten vor allem mit Details aus seinem "Hartz IV nicht für Lebenskünstler" für Aufsehen. Sein Versuch, die Forderung der Piraten nach einem bedingungslosen Grundeinkommen mit seinem Lebenswandel zu verquicken, war stets umstritten. Etliche Piraten fürchten, Ponader könnte dem Image der Partei schaden. Einige Parteimitglieder sprachen angesichts der medienwirksamen Alleingänge ihres Geschäftsführers bei Twitter von einem "Auftrittsverbot" im Fernsehen. Nach Angaben der "Welt" entschloss auch der Parteivorstand mehrheitlich, Ponader solle sich vorübergehend vom öffentlichen Parkett zurückziehen. Zur Eskalation kam es danach, weil Ponader eine Einladung zur TV-Talkshow von Benjamin von Stuckrad-Barre angenommen hat.

Piraten fallen unter Fünf-Prozent-Marke

Der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Nerz sagte: "Es gibt ein Problem des Vorstandes mit Johannes Ponader." Er ignoriere Mehrheitsmeinungen des Vorstandes, wenn diese ihm nicht passten. "Teilbereiche des Vorstandes sind heute nicht arbeitsfähig."

Nerz beklagte, dass er seit mehreren Monate vergeblich versucht habe, eine Lösung für das Ponader-Problem zu finden. Zuletzt sprach Nerz nach eigenen Angaben am Donnerstagabend mit ihm. Obwohl er den Austausch als sehr "sehr sachlich" beschreibt, räumte er ein, dass es nach wie vor "sehr unterschiedliche Vorstellungen gebe, was der Bundesvorstand kann oder nicht kann".

Der parteiinterne Streit dringt zur Unzeit an die Öffentlichkeit. Im jüngsten ARD-"Deutschlandtrend" rutschten die Piraten in dieser Woche erstmals seit Monaten unter die Fünf-Prozent-Marke und kommen nur noch auf vier Prozent (-2).

Wohl auch vor diesem Hintergrund erwartet der stellvertretende Vorsitzende Nerz, dass der Konflikt "auf die eine oder andere Art noch gelöst wird". Als Ausweg nannte Nerz zwei Möglichkeiten: "Die Aufgaben werden nur noch einzeln bearbeitet. Notwendige Dinge wie eine gemeinsame Medienstrategie wären dann allerdings nicht möglich." Als zweite Möglichkeit nannte er: "Es müssen personelle Konsequenzen gezogen werden: Das wären dann Rücktritte." Ponader war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, ieh/dpa/AFP

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