Politik

Amoklauf von Erfurt "Es ging immer um Gewalt"

Die Eltern von Robert Steinhäuser, dem Todesschützen von Erfurt, haben erstmals ihre Hilflosigkeit über das Abgleiten ihres Sohnes offenbart. "Es ging immer ums Schießen, es ging immer um Gewalt", sagte der Vater, Günter Steinhäuser, dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Mutter des Attentäters erklärte: "Er saß immer vor dem Computer. Das war wie eine Sucht."

Tat im Chat angekündigt?

Robert Steinhäuser soll seinen Amoklauf wenige Stunden vor der Bluttat in einem Internet-Chat angekündigt haben. Das berichtet das Magazin "Focus". Ein Polizeisprecher bestätigte, dies habe ein Mann aus Rosenheim mitgeteilt.

Demnach hatte Steinhäuser in der Nacht vor dem Amoklauf mit dem Rosenheimer gechattet. Laut "Focus" kündigte er dabei an, er wolle Lehrer erschießen, weil er von der Schule geflogen sei. Der Mann habe sich noch am Tatabend bei der Rosenheimer Polizei gemeldet.

Ermittlungen am Tatort abgeschlossen

Eine Woche nach dem Amoklauf hat die Polizei die Ermittlungen am Tatort abgeschlossen. Die Untersuchung der genauen Umstände und Hintergründe der Tat dauerten an, sagte ein Polizeisprecher am Samstag in Erfurt.

Der Sprecher dementierte zugleich "Focus "-Berichte über das Auffinden umfangreichen Materials zu dem Schulmassaker von Littleton bei Steinhäuser sowie über angebliche Zweifel an den Zeugenaussagen des Lehrers Rainer Heise.

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich nach Angaben des Sprechers darauf, das riesige Spurenaufkommen auszuwerten und damit unter anderem letztendlich zu klären, ob es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat. Zwar gebe es weiterhin keine festen Hinweise auf einen zweiten Täter, aber es habe entsprechende Zeugenaussagen von Schülern gegeben. "Es gibt Widersprüche, die noch abgeklärt werden müssen", erklärte der Sprecher.

Heise will kein Bundesverdienstkreuz

Ein Bundesverdienstkreuz würde Lehrer Heise nicht annehmen. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte eine solche Auszeichnung des Lehrers ins Gespräch gebracht. "Das wäre ein Totenorden", sagte der Lehrer dem "Focus". Er werde von Kollegen inzwischen als "Lügner" und "mieses Schwein" beschimpft, das sich im Blut der Kollegen suhle. "Vielleicht hole ich als nächstes eine Knarre und bringe mich um. Das meine ich nicht pathetisch ", sagte Heise.

Beisetzung von fünf Opfern

Einen Tag nach der zentralen Trauerfeier in Erfurt wurden heute fünf Opfer des Amoklaufs beigesetzt. Dabei handelte es sich um vier Lehrer und einen Schüler. Abgeschirmt von Medien und Öffentlichkeit nahmen Angehörige und Freunde Abschied von den Toten. Die Stadt Erfurt hatte Foto- und Filmaufnahmen von den Bestattungen untersagt. Die Journalisten folgten weitgehend dem Appell, die Privatsphäre der Trauernden zu respektieren.

Bereits am Freitag waren eine Lehrerin in Erfurt sowie eine Referendarin in ihrer niedersächsischen Heimatstadt zu Grabe getragen worden. Weitere Bestattungen finden in der kommenden Woche statt. Gestern hatten mehr als 100.000 Menschen mit einer bewegenden Gedenkfeier der Opfer des Schulmassakers gedacht.

Attentatsdrohung von Varel aufgeklärt

Die anonyme Attentatsdrohung gegen das Lothar-Meyer-Gymnasium im niedersächsischen Varel ist aufgeklärt. Zwei Schülerinnen gestanden, dass sie und zwei weitere Mitschülerinnen mit ihrer Drohung einem Lehrer einen Streich spielen wollten. Die Idee sei "aus einer Sektlaune heraus" entstanden, erklärten die beiden Mädchen, die sich am Freitag der Polizei gestellt hatten.

In dem Drohbrief, der am Donnerstag vergangener Woche - einen Tag vor der Bluttat in Erfurt - bei dem Gymnasium eingegangen war, hatte der Schreiber gedroht, sich und andere Schüler umzubringen. Daraufhin wurden umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Die Abiturprüfungen an der Schule wurden unter Polizeischutz abgehalten.

Quelle: n-tv.de

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