Politik

"Das Land verdankt ihr viel"Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot

01.02.2026, 15:34 Uhr
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Rita Süssmuth setzte in der Politik eigene Akzente. Im Kabinett von CDU-Kanzler Kohl wurde sie 1985 Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Später prägte sie das Amt der Bundestagspräsidentin. Nun ist die Verfechterin der Frauenrechte im Alter von 88 Jahren gestorben.

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Rita Süssmuth als "große Politikerin" und einen "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen" gewürdigt. Die Verstorbene habe sich "lebenslang für Deutschland engagiert", erklärte Merz. Das Land verdanke ihr viel. Süssmuth sei als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestags "Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen" gewesen, erklärte Merz. Sie habe "beispielhaft" für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt.

Die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigte Süssmuth als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Die Nachricht des Todes "bewegt mich tief. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung", schreibt Klöckner auf X und und hebt vor allem den Elan und die Beharrlichkeit der CDU-Politikerin hervor. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte über Süssmuth: "Sie war ein Vorbild, über alle Parteigrenzen hinweg."

In die Politik kam Süssmuth erst Anfang der 80er Jahre mit 44 Jahren. Die Professorin für Erziehungswissenschaft trat in die CDU ein. Bereits 1985 wurde sie überraschend neue Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von CDU-Kanzler Helmut Kohl. In dem Ressort, das 1986 um den Bereich Frauen erweitert wurde, machte die engagierte Katholikin schnell durch eine liberale Linie in der Frauen- und Abtreibungspolitik von sich reden.

Auch beim Umgang mit der damals gerade aufkommenden Immunschwächekrankheit Aids setzte Süssmuth eigene Akzente: Leidenschaftlich kämpfte sie gegen die Ausgrenzung der Erkrankten. Sie war seit langem Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung.

Klöckner erklärte, Süssmuths Politik gegen AIDS sei "bahnbrechend" gewesen. Süssmuth habe sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung gewandt und die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland gelegt. 1988 wurde Süssmuth im Alter von 51 Jahren Bundestagspräsidentin - als zweite Frau in diesem Amt. Klöckner würdigte nun, dass Süssmuth in dieser Position den deutschen Einigungsprozess mitgestaltete.

Das Ende der Ära Kohl läutete auch ihr Ende in der CDU ein, bald verlor sie ihren Platz im Parteipräsidium. Heftige Anwürfe aus den eigenen Reihen brachte Süssmuth ein, dass sie 2000 unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder den Vorsitz der nach ihr benannten Süssmuth-Kommission zur Zuwanderung übernahm.

Süssmuth entwickelte Ideen, die womöglich in der Flüchtlingskrise 2015 geholfen hätten, die aber nie vollständig umgesetzt wurden. Verbittert war sie darüber nicht. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte sie vor einigen Jahren, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: "Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen".

Quelle: ntv.de, gut/AFP/dpa

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