Politik

Letzte Hoffnung Leihstimme FDP setzt auf CDU-Wähler

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"Nur mit uns": Rösler und Brüderle hoffen auf einen "Weckruf".

(Foto: dpa)

Rund drei Prozent in Bayern, das macht Angst. Die Liberalen hoffen nun darauf, dass das Wahlergebnis ein "Weckruf" ist - für jene CDU-Wähler, die eine schwarz-gelbe Koalition wollen. Die Union dagegen betont, Zweitstimme sei "Merkel-Stimme".

Nur noch eine Woche bis zur Bundestagswahl, der Endspurt hat begonnen - und die FDP gerät ins Stolpern. Die Wähler in Bayern haben ihr ein Bein gestellt. Sie verbannen die Liberalen bei der Wahl zum bayerischen Landtag von der Regierungsbank direkt in die außerparlamentarische Opposition. Die Partei muss nun alles daran setzen, dass ihr am kommenden Sonntag ein solches Schicksal auf Bundesebene erspart bleibt. "Es geht um alles", redet Parteichef Philipp Rösler am Sonntagabend seiner Partei ins Gewissen.

Auf der Wahlparty der Bundes-FDP im Berliner Thomas-Dehler-Haus ist die Enttäuschung über das katastrophale Ergebnis in Bayern deutlich spürbar. Hinter vorgehaltener Hand versuchen Spitzenliberale aber, der Klatsche im Freistaat Positives abzugewinnen. "Das könnte einen Mobilisierungeffekt geben", tröstet sich ein Vorstandsmitglied.

Zweckoptimismus oder Kalkül?

Vielleicht sollte man eher sagen: Mitleidseffekt? Jedenfalls hoffen viele Liberale jetzt darauf, dass die Pleite in Bayern die bürgerlich-konservativen Wähler aufschreckt. Gerade die Unionsanhänger, so das Kalkül, könnten am kommenden Sonntag ihre Zweitstimme nun doch der FDP geben, um den Fortbestand von Schwarz-Gelb im Bund zu sichern.

Das mag Zweckoptimismus sein, Selbsttäuschung oder doch ein kühl kalkuliertes Abwägen der verbliebenen Optionen. Auf jeden Fall ist in den kommenden Tagen mit einem verstärkten Werben der FDP um die Zweitstimme zu rechnen. "Das wird unsere Botschaft jeden Tag sein", kündigt Spitzenkandidat Rainer Brüderle an. Rösler spricht mit Blick auf Bayern von einem "Weckruf für alle Liberale". Den Wunsch-Koalitionspartner Union dürften solche Ankündigungen einigermaßen beunruhigen.

Am Sonntagabend herrscht in der CDU-Zentrale jedoch erst einmal Begeisterung über den überragenden Sieg der bayerischen Schwesterpartei. "Heute ist ein guter Tag für Bayern und die Unionsfamilie", sagt Generalsekretär Hermann Gröhe in den Jubel der versammelten jungen Wahlkampfhelfer - und beschwört damit den ersehnten "Rückenwind" im Bund.

Angst vor Zweitstimmen-Debakel

Doch eines klingt aus den Statements der CDU-Oberen im Konrad-Adenauer auch heraus: Ein Zweitstimmen-Debakel wie in Niedersachsen, wo ein in letzter Minute gestarteter Unterstützungsaufruf für die Liberalen der dortigen CDU letztlich die Regierungsbeteiligung kostete, soll sich im Bund nicht wiederholen. "Im Wahlkampf sind wir alle Konkurrenten", sagt der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, in dessen Bundesland am kommenden Sonntag ebenfalls ein neuer Landtag gewählt wird.

Wer wolle, dass Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin werde, "der muss mit beiden Stimmen Union wählen", betont Gröhe. Das Beispiel aus Bonn, wo auf Betreiben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit örtlichen CDU-Politikern eine Zweitstimmenabsprache zustande kam, will die CDU-Spitze auf keinen Fall als Linie für die letzten heißen Wahlkampftage verstanden wissen.

Für die Liberalen sieht es schwierig aus. Das müssen nun auch die FDP-Spitzenpolitiker einräumen, die anhaltend schwache Umfragewerte im Bund zuletzt immer mit Verweis auf die Wahlerfolge der letzten Landtagswahlen - in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen - abtaten. Die Wahl in Bayern hat sie gelehrt: Auf miese Umfragewerte kann durchaus auch ein mieses Wahlergebnis folgen.

Quelle: n-tv.de, AFP

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