Politik

"Sicherlich nicht angemessen" Faeser bereut Sektglas-Foto auf Balkon in Kiew

Dieses Foto sorgte für Ärger: Mit Sektglas in Kiew stehen Nancy Faeser (links), Anka Feldhusen, Vitali Klitschko und Hubertus Heil.

Dieses Foto sorgte für Ärger: Mit Sektglas in Kiew stehen Nancy Faeser (links), Anka Feldhusen, Vitali Klitschko und Hubertus Heil.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ende Juli reist die Bundesinnenministerin in die ukrainische Hauptstadt. Bei einem Treffen mit der deutschen Botschafterin und Kiews Bürgermeister entsteht ein Schnappschuss mit Sektglas in den Händen - was für Kritik sorgt. "Das Foto bereue ich", erklärt Faeser und gibt Einblick zu den Hintergründen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser bereut eine Szene von ihrer Reise in die ukrainische Hauptstadt Kiew Ende Juli. Fotos und Videos zeigten die SPD-Politikerin mit ihrem Parteikollegen und Arbeitsminister Hubertus Heil, Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und der deutschen Botschafterin Anka Feldhusen auf dem Balkon der Residenz der Botschafterin. Die vier halten Sektgläser, teils lachen sie in die Kameras von Journalisten.

Mit einem dieser Bilder konfrontiert, sagte Faeser bei der Veranstaltungsreihe "RND vor Ort": "Das Foto bereue ich." Es sei "sicherlich nicht angemessen" gewesen. Zugleich sei das Bild leicht zu erklären, weil in Kiew im Moment wieder normales Alltagsleben eingekehrt sei, obwohl das angesichts von Kriegsverbrechen und anhaltenden Kämpfen im Osten des Landes kaum zu begreifen sei. "Die Leute gehen einkaufen. Es sind wieder im öffentlichen Raum Blümchen gepflanzt. Die Menschen gehen in Bars, sie sitzen in Cafés, sie gehen ihrer Arbeit nach." Das sei schwer nachzuvollziehen, aber das sehe man letztlich auch auf dem Bild, sagte Faeser. "Wir waren abends eingeladen bei der Botschafterin und mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko und haben letztlich das gleiche Getränk wie er gewählt." Die Innenministerin betonte: "Ich würde das nicht mehr machen. Weil das etwas ausdrückt, was unangemessen ist, wenn man aus einem anderen Land kommt."

Einen Vergleich des Fotos mit dem viel diskutierten Bild aus dem vergangenen Sommer, das den damaligen Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet lachend beim Besuch in einem deutschen Flutgebiet zeigte, wies Faeser zurück. Schließlich habe in Kiew Alltag geherrscht. "Das ist etwas anderes, als wenn ich jetzt mit einem Sektglas im Osten des Landes gewesen wäre." Faeser und Heil hatten neben Kiew auch die vom Krieg zerstörte Stadt Irpin besucht. Die Bilder vom Balkon der Botschafterin hatten in den sozialen Medien empörte Kommentare nach sich gezogen. Der Generalsekretär der CDU, Mario Czaja, gehörte zu den prominenten Stimmen, die sich kritisch dazu äußerten.

Faeser: Früherer Renteneintritt für langjährige Ehrenämtler sinnvoll

Neben dem Sekt-Bild kamen bei dem Event auch andere Themen zur Sprache. Dabei schlug die SPD-Politikerin vor, langjährige Ehrenamtler ein Jahr früher in die Rente eintreten zu lassen. "Man muss darüber nachdenken, wie man denjenigen etwas Gutes tun kann, die das ihr Leben lang getan haben", sagte Faeser. Mit einem früheren Renteneintritt könne der Staat Anreize für ein freiwilliges Engagement schaffen. Das Ehrenamt für die Allgemeinheit, das viele neben ihrer Arbeit und Familie leisteten, sei ein sehr hohes Gut. Für besonders wertvolle Tätigkeiten, wie beispielsweise bei der Feuerwehr oder bei Rettungsdiensten, müsse über solche Modelle nachgedacht werden, um Anreize zu setzen, führte Faeser weiter aus.

Auch müsse über ein Dienstpflichtjahr debattiert werden, forderte sie. "Wir sind sehr privilegiert mit unserem Freiwilligensystem", sagte Faeser. Bei den Freiwilligen Feuerwehren funktioniere das sehr gut. "Aber man kann ihnen nicht allein die Verantwortung für all diese Großschadensereignisse geben."

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/AFP

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