Politik

Erstes Wiedersehen seit 60 Jahren Familientreffen in Nordkorea

Tränen der Freude: Im Konflikt zwischen Nord- und Südkorea wird das "Begegnungsprogramm" wieder aufgenommen, das getrennte Familien zusammenführt. Mehr als 430 Südkoreaner reisen in das Nachbarland, um zum ersten Mal seit rund 60 Jahren ihre Verwandten wiederzusehen. Wenn auch nur für drei Tage.

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Die 96jährige Kim-Rye-Jung aus Südkorea trifft zum ersten Mal seit Jahrzehnten ihre Tochter, die in Nordkorea lebt.

(Foto: REUTERS)

Mehr als 430 Südkoreaner sind nach Nordkorea gereist, um zum ersten Mal seit rund 60 Jahren ihre dort lebenden Verwandten zu treffen. Damit begann eine neue Runde von Familientreffen, die seit Jahrzehnten getrennte Verwandte wieder zusammenbringt.

Wie südkoreanische Medien berichteten, wurden mehr als 430 Südkoreaner im Alter von 12 bis 96 Jahren mit Bussen über die schwer bewachte innerkoreanische Grenze zum Treffpunkt an der Ostküste gebracht. Dort wurden sie von rund 100 Nordkoreanern erwartet. Das Begegnungsprogramm war aufgrund politischer Spannungen mehr als ein Jahr unterbrochen. Vergleichbare Treffen gibt es bereits seit dem Jahr 2000, seitdem konnten sich mehr als 20.000 Menschen wiedersehen.

Zehntausende Familien getrennt

Die Treffen der einzelnen Familien sind auf nur drei Tage beschränkt. Sie ermöglichen die ersten direkten Kontakte seit Jahrzehnten von Müttern und Vätern mit ihren Söhnen und Töchtern, zwischen Ehepartnern, Brüdern und Schwestern. Durch die Landesteilung und den Korea-Krieg (1950-53) wurden zehntausende Familien auseinander gerissen.

"Mein Herz fließt über vor Freude", sagte die 76 Jahre alte Im Jae Ok vor der Abreise. Sie sollte ihren 80 Jahre alten Bruder zum ersten Mal seit 61 Jahren wiedersehen. Sie habe zwei Taschen voller Kleidung und einige Dollar als Geschenk dabei, sagte sie.

Zeichen der Wiederannäherung?

Am Mittwoch werden die Treffen fortgesetzt. Dann soll eine Gruppe von knapp 100 älteren Südkoreanern nach Nordkorea gebracht werden. Bis heute ist für sie in der Regel kein Kontakt über die abgeriegelte Grenze hinweg per Brief, E-mail oder Telefon möglich.

Nach den heftigen Spannungen in den vergangenen Monaten sind die Familientreffen ein weiteres Zeichen für die jüngsten vorsichtigen Bemühungen um eine Wiederannäherung beider Länder. Auf die jüngsten Verwandtentreffen hatten sich die Rot-Kreuz-Verbände von Süd- und Nordkorea Anfang Oktober geeinigt.

Erst am Freitag hatten sich die Spannungen zwischen beiden Ländern nach einen Schusswechsel an der Grenze wieder verschärft. Nordkoreanische Soldaten hatten zwei Mal in Richtung Südkorea gefeuert, wie ein Sprecher des Generalstabs der südkoreanischen Armee sagte. Soldaten aus Südkorea hätten darauf drei Schüsse abgegeben. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Der Schusswechsel fand nahe der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern bei Hwacheon, rund 90 Kilometer nordöstlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul statt.

Quelle: ntv.de, fma/dpa/AFP

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