Politik

Zu männlich und zu alt Fast alle Parteien leiden unter Frauenmangel

imago90723963h.jpg

Die Grünen und die FDP werben bei der Europawahl mit ihren Spitzenpolitikerinnen.

(Foto: imago images / Hermann J. Knippertz)

Immer weniger Deutsche besitzen ein Parteibuch. Doch das ist nicht das einzige Problem der Parteien. Eine Umfrage in den Zentralen ergibt: Sie leiden auch unter steigendem Altersschnitt und Frauenmangel. Das gilt für alle Parteien - außer einer.

Die CDU-Spitze will ihre Parteiarbeit modernisieren und den Trend zu Überalterung und männlicher Dominanz brechen. "Wir müssen mehr auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achten, damit die Parteiarbeit attraktiver für weibliche Mitglieder wird", sagte der CDU-Mitgliederbeauftragte Henning Otte. Die CDU müsse verstärkt auch auf ihre Formate schauen: "Ein ansprechendes Umfeld mit einem vielfältigen Themenkatalog wird bei Frauen positiver aufgenommen als eine Frontal-Veranstaltung mit politischen Berichten, ohne die Möglichkeit, kommunikativ zu arbeiten."

Die CDU kämpft mit sinkenden Mitgliederzahlen, einem steigenden Durchschnittsalter und einer - gemessen an der Bevölkerung - geringen Frauenquote. So war die Mitgliederzahl von knapp 426.000 im Jahr 2017 auf rund 415.000 im vergangenen Jahr geschrumpft. Dies ist auch der Stand im Januar 2019. Der Frauenanteil beträgt aktuell 26,4 Prozent. Das Durchschnittsalter liegt seit 2015 kontinuierlich bei mehr als 60 Jahren - aktuell beträgt es 60,35 Jahre. Das ist laut Otte eine "Herausforderung, vor der andere Parteien jedoch auch stehen".

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Zentralen der anderen Bundestagsparteien bestätigt diesen Befund. Allerdings gibt es von Partei zu Partei bedeutsame Unterschiede.

SPD: Eine Verjüngungskur täte not

Das Durchschnittsalter der momentan 437.754 SPD-Mitglieder beträgt nach Angaben eines SPD-Sprechers 60 Jahre. Nur 13 Prozent der Mitglieder sind jünger als 35 Jahre, 56 Prozent sind 60 Jahre und älter. Wie die CDU verzeichnet auch die SPD einen steigenden Frauenanteil - Ende 2018 lag er bei 32,6 Prozent.

FDP: Nur ein Drittel sind Senioren

Die Liberalen zählen Ende März 64.804 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt nach Parteiangaben bei 52,28 Jahren, die Ü-60-Generation macht ziemlich genau 35 Prozent aus. Mit 21,6 Prozent ist der Frauenanteil bei den Liberalen besonders klein.

Trotz bisher vergeblicher Bemühungen, den niedrigen Frauenanteil zu erhöhen, lehnt auch die FDP eine feste Quote ab. Um für Frauen attraktiver zu werden, müsse die Parteiarbeit modernisiert werden, sagt die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder. Es sollte mehr Möglichkeiten geben, sich online zu beteiligen. Und es müsse auch nicht immer der "typische Stammtisch jeden Mittwochabend um 20 Uhr in der Kneipe um die Ecke" sein. Für einen Brunch am Wochenende hätten vielleicht auch Mütter Zeit.

Grüne: Besonders junges Klientel

Die Grünen vermeldeten Ende März 2019 einen Rekord von 77.777 Mitgliedern. Und es treten nach Angaben der Parteiführung täglich Menschen ein. Ende 2018 lag der Altersdurchschnitt bei 49,0 Jahren, der Frauenanteil bei 40,5 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde die Partei jünger und weiblicher: Die Neueintritte waren zu 43,2 Prozent Frauen und im Schnitt 41,0 Jahre alt.

Der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, stellt zufrieden fest: "Obwohl vergleichsweise wenige junge Leute in Parteien eintreten, haben wir Grünen einen starken Zuwachs." Viele träten ein, weil ihnen Klimaschutz und eine weltoffene Gesellschaft wichtig seien, so Kellner.

Linke: Gut ein Drittel der Mitglieder ist weiblich

Die Linke zählt Ende März 61.566 Anhänger in ihren Reihen. Das Durchschnittsalter liegt nach Parteiangaben bei 55,02 Jahren, der Frauenanteil beträgt 36,4 Prozent. Der Anteil der unter 40-jährigen Mitglieder macht 30 Prozent aus, der Anteil der 60- bis 75-Jährigen 25 Prozent.

AfD: Extrem niedriger Frauenanteil

Einen Mitgliederzuwachs verzeichnete im vergangenen Jahr auch die AfD. Es kamen nach Angaben eines Sprechers rund 6000 Menschen neu in die Partei, die damit aktuell auf rund 34.200 Mitglieder kommt. Von ihnen sind 14 Prozent bis 35 Jahre alt, 64 Prozent bis 65 und 22 Prozent über 65 Jahre alt. Einen Altersdurchschnitt nannte die Partei nicht, aber den Frauenanteil: Dieser ist mit 17,4 Prozent extrem niedrig.

CSU: Die Mitgliederkartei wächst

Die CSU verzeichnet in diesem Jahr nach eigenen Angaben schon mehr als 1000 Eintritte - und zählt momentan rund 139.000 Mitglieder. Nur 21 Prozent sind Frauen. Zum Altersdurchschnitt macht die Partei keine Angaben.

Für CSU-Generalsekretär Markus Blume steht fest: "Die CSU muss jünger, offener, dynamischer und auch weiblicher werden." Man wolle die Menschen wieder neu begeistern. "Dafür werden wir die Partei kräftig durchlüften." Eine Reformkommission solle bis zum Parteitag im Herbst ein Konzept zur Neuaufstellung vorlegen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema