Politik

Der Kriegstag im Überblick Finnland strebt in die NATO - Ukraine meldet Treffer auf russischem Logistikschiff

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Der finnische Präsident Niinistö (r.) und NATO-Generalsekretär Stoltenberg nach einem bilateralen Treffen im vergangenen Jahr.

(Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva)

Die finnische Staatsführung gibt als Ziel einen "unverzüglichen" NATO-Beitritt aus. Russland sieht das als Bedrohung. Einem Bericht zufolge droht am morgigen Freitag ein Gas-Lieferstopp von Russland nach Finnland. Derweil meldet die Ukraine einen Wirkungstreffer auf ein weiteres russisches Schiff, das sich auf dem Weg zur umkämpften Schlangeninsel befunden haben soll. Russland will indessen innerhalb von 24 Stunden Hunderte ukrainische Soldaten getötet und Dutzende Militärfahrzeuge zerstört haben. Der 78. Kriegstag im Überblick.

Finnland will raschen NATO-Beitritt

Der finnische Präsident Sauli Niinistö und Ministerpräsidentin Sanna Marin haben sich für einen "unverzüglichen" NATO-Beitritt ihres Landes ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung befürworteten die beiden eine Mitgliedschaft in der westlichen Militärallianz. Die Entscheidung über den offiziellen Antrag auf Aufnahme in die Militärallianz wird in den nächsten Tagen erwartet. Schweden zieht dann vermutlich nach. Die NATO hat schon deutlich gemacht, dass beide Länder willkommen sind. Bundeskanzler Olaf Scholz sicherte Finnland nach der Verkündung "die volle Unterstützung der Bundesregierung" auf dem Weg zu einem NATO-Beitritt zu.

Die russische Führung wertete die von Finnland angestrebte Mitgliedschaft "definitiv" als Bedrohung für Russland. Eine Ausweitung des westlichen Militärbündnisses werde Europa und die Welt nicht stabiler machen, sagte der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, vor der Presse in einer Konferenzschaltung.

Wird Finnland das russische Gas abgedreht?

Hochrangige finnische Politiker sind einer Zeitung zufolge nach dem Schritt hin zur NATO davon informiert worden, dass Russland die Erdgasversorgung am Freitag unterbrechen könnte. Die Zeitung "Iltalehti" beruft sich auf nicht weiter genannte Quellen. Zwar stammt der größte Teil des in Finnland verbrauchten Erdgases aus dem Nachbarland. Allerdings trägt Gas nur fünf Prozent zum finnischen Energiemix bei.

Ukraine: "Bobrow" durch Beschuss in Flammen gesetzt

Nach ukrainischen Angaben ist im Kriegsgebiet unterdessen ein weiteres russisches Schiff durch ukrainischen Beschuss getroffen worden. Serhiy Bratchuk, Sprecher des militärischen Hauptquartiers in Odessa sagte, die "Wsewolod Bobrow" habe Feuer gefangen. In Sozialen Medien ist gar von der Versenkung des Schiffes die Rede. Die Angaben lassen sich bisher nicht überprüfen. Bei der "Wsewolod Bobrow" handelt es sich um ein Logistikschiff. Es gehört zur Elbrus-Klasse, die erstmals 2015 zu Wasser gelassen wurde. Die "Wsewolod Bobrow" soll angeblich nach langer Bauverzögerung erst im August 2021 vom Stapel gelaufen sein. Angeblich sei sie auf dem Weg Richtung Schlangeninsel gewesen. Sie soll unbestätigten Angaben zufolge unter anderem Flugabwehrgeschütze an Bord haben. Die Schlangeninsel besetzen die Russen frühzeitig nach der Invasion. In den letzten Tagen gab es jedoch zahlreiche Drohnenangriffe seitens der Ukraine auf die Insel. Dabei wurden sowohl Geschütze als auch wenigstens ein Landungsboot und ein Helikopter der russischen Streitkräfte zerstört. Da die Insel jedoch strategisch sehr wichtig für die Kontrolle des nordwestlichen Teils des Schwarzen Meeres ist, wollen die Russen sie nicht aufgeben.

Russland meldet Tötung von mehr als 300 ukrainischen Soldaten

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden mit schweren Luft- und Raketenangriffen Hunderte ukrainische Soldaten getötet und zahlreiche Militärfahrzeuge zerstört. Mit Luft-Boden-Raketen seien "mehr als 320 Nationalisten vernichtet und 72 Militärfahrzeuge außer Gefecht gesetzt worden", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, heute. Von unabhängiger Seite waren die Angaben zunächst nicht überprüfbar.

Raketenstreitkräfte und Artillerie hätten derweil mehr als 400 Truppenansammlungen und Militärkonvois, 12 Gefechtsstände und 26 gegnerische Artilleriestellungen unter Feuer genommen. Im Raum Korotytsch, nur wenige Kilometer westlich der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw, sei dabei ein Flugabwehrsystem vom Typ S-300 ausgeschaltet worden.

Briten: Russlands Fokus auf Donbass schwächt eigene Truppen bei Charkiw

Laut britischem Geheimdienst ist die Gegenoffensive der Ukraine nördlich von Charkiw weiterhin erfolgreich. Zahlreiche Ortschaften wurden zurückerobert. Das liege auch daran, dass Russland sich aktuell auf den Donbass fokussiere und die Truppen im Raum Charkiw enorm geschwächt seien. Es wird davon ausgegangen, dass die verbliebenen russischen Truppen sich zurückziehen, aufgefüllt und neu organisiert werden und dann östlich des Flusses Siwerskyj Donez ein weiteres Vorrücken der ukrainischen Truppen unterbinden sollen. Damit soll vor allem der Nachschub für die russischen Truppen im Raum Isjum gesichert werden. Östlich des Flusses verlaufen etwa mehrere Eisenbahnstrecken, über die Panzer und Soldaten von Russland in den Donbass transportiert werden können.

Ukrainischer Außenminister verzeiht der SPD

Bei einem Besuch in Berlin hat der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba der SPD ihre von vielen als zu nachsichtig kritisierte Russland-Politik der vergangenen Jahrzehnte verziehen. "Die Vorkriegsgeschichte in den deutsch-russischen Beziehungen und die Rolle der Sozialdemokraten dabei ist etwas, das nun Geschichte ist", sagte Kuleba nach einem Treffen mit SPD-Chef Lars Klingbeil und SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich in Berlin.

Der ukrainische Außenminister verwies darauf, dass mit Bundeskanzler Olaf Scholz ein Sozialdemokrat die Kehrtwende bei den deutschen Waffenlieferungen und in der Energiepolitik vollzogen habe. "Ich weiß, dass es nicht einfach ist, solche Entscheidungen zu treffen", sagte Kuleba. Die Tatsache, dass der Kanzler das mit Unterstützung seiner Partei getan habe, verstehe er als Zeichen der Stärke.

Ukraine will westliche Kampfjets

Kuleba brachte auch eine Forderung mit, nämlich die nach der Lieferung westlicher Kampfjets und Raketenabwehrsysteme für die Verteidigung seines Landes gegen Russland. "Vergessen wir die sowjetischen Systeme, das ist vorbei", sagte er in einem Interview der "Welt". "Wenn dieser Krieg weiter andauert, werden die letzten Lagerbestände an sowjetischen Waffen bald aufgebraucht sein in den Ländern, die bereit sind, sie uns zu geben. Einige sind es schon jetzt." Außenministerin Annalena Baerbock reagierte zurückhaltend und verwies auf frühere Positionen der Bundesregierung hierzu.

Millionen Tonnen ukrainisches Getreide können nicht exportiert werden

Die G7-Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen will sicherstellen, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskriegs ein bedeutender Getreideexporteur bleiben kann. Man berate gemeinsam darüber, wie man die von Russland ausgeübte Getreideblockade brechen und ukrainisches Getreide in die Welt bringen könne, sagte Außenministerin Annalena Baerbock heute zu Beginn von Beratungen mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen G7-Staaten in Weißenhäuser Strand an der Ostsee. Derzeit seien wegen des Kriegs 25 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen blockiert, insbesondere in Odessa, so die Grünen-Politikerin.

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Quelle: ntv.de, mpe/dpa/rts

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