Politik

Syrische Kinder "leiden schrecklich" Flüchtlinge kämpfen gegen Kälte

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Ein Kind in einem syrischen Flüchtlingscamp im Libanon.

(Foto: REUTERS)

In Syrien beginnt der Winter. Hunderttausende Flüchtlinge sind aber nur unzureichend gegen die Kälte geschützt. Die SOS-Kinderdörfer verstärken ihre Nothilfe. "Wir müssen jetzt handeln", heißt es. Entwicklungsminister Niebel besucht derweil ein Flüchtlingscamp im Libanon. Ärzte ohne Grenzen berichtet von Angriffen auf Flüchtlingslager und fordert mehr Hilfe.

Zum Wintereinbruch haben die SOS-Kinderdörfer ihre Nothilfe in den syrischen Bürgerkriegsgebieten verstärkt. Das Wetter verschlimmere die Lage der Vertriebenen, teilten die SOS-Kinderdörfer weltweit in München mit. "Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind in Syrien unzählige Familien auf der Flucht", erklärte Vorstand Wilfried Vyslozil. "Vor allem die Kinder leiden schrecklich. Wir müssen jetzt handeln, um sie durch den Winter zu bringen."

Auch die Bundesregierung will ihre Hilfe für Flüchtlinge verstärken, die in den syrischen Nachbarländern Zuflucht gefunden haben. "Der Druck auf die Menschen in Syrien ist enorm groß, aus den Gefechtshandlungen herauszukommen", sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel im Libanon, wo er auch das Flüchtlingslager Burdsch Baradschneh in der Nähe von Beirut besuchte. Der Minister kündigte an, Deutschland werde zusätzliche 14,7 Millionen Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge im Libanon bereitstellen. Damit erhöht sich laut seinem Ministerium die deutsche Hilfe für Flüchtlinge in der Region seit dem Beginn des Syrien-Konflikts auf 75 Millionen Euro. Niebel forderte gleichzeitig alle Nachbarländer Syriens auf, die Grenzen für Flüchtlinge offenzuhalten.

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In den Flüchtlingslagern sind die Menschen nur notdürftig gegen die Kälte geschützt.

(Foto: REUTERS)

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR sind rund 300.000 Flüchtlinge aus Syrien nach Jordanien und in den Libanon gekommen. In die Türkei, nach Ägypten und in den Irak seien insgesamt weitere 200.000 Menschen geflohen. Bis Mitte Dezember sind also mehr als eine halbe Million Menschen vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. Niebel verwies darauf, dass die Nachbarländer durch die hohe Zahl an Flüchtlingen stark belastet würden. "Hier bedarf es der Unterstützung durch die Bundesregierung."

Der Minister ließ offen, wann Syrien wieder mit deutscher Entwicklungshilfe rechnen kann. Bisher sei die staatliche Entwicklungszusammenarbeit auf "ganz geringen Niveau" betrieben worden, vornehmlich im Bereich der Wasserversorgung. Die Zusammenarbeit konzentriere sich jetzt auf die Versorgung der Flüchtlinge in den Nachbarländern, sagte Niebel. Zudem würden internationale Organisationen unterstützt, die noch in dem Bürgerkriegsland tätig seien. Dazu zählen das Welternährungsprogramm (WFP) oder das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

"Das Völkerrecht gilt dort nicht"

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen rief Deutschland zu mehr Hilfe für die syrischen Menschen auf. "Die deutsche Regierung muss mehr Initiative für humanitäre Hilfe entwickeln, auch in der Flüchtlingsfrage", sagte der Vorsitzende der Organisation in Deutschland, Tankred Stöbe, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Flüchtlingslager hätten die Kapazitätsgrenzen oft schon weit überschritten. Die Menschen in Syrien hätten resigniert. "Sie setzen auf den Druck von außen", sagte Stöbe.

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Die Kämpfe zwischen Freier Syrischer Armee und den Regierungstruppen halten unvermindert an.

(Foto: AP)

Nach Darstellung der Organisation werden medizinische Helfer und Einrichtungen durch syrische Truppen direkt attackiert. "Das Völkerrecht gilt dort nicht", sagte Stöbe. Es sei praktisch nur möglich, in den Gebieten der Opposition zu arbeiten. Oft böten die internationalen Helfer das einzige Behandlungsangebot für die kriegsverletzten Menschen.

Die SOS-Kinderdörfer hatten im August ein Programm gestartet, um 4000 syrische Kinder und Erwachsene in den Notquartieren mit Lebensmitteln, Matratzen, Hygieneartikeln, Medikamenten und Kleidung zu versorgen. In den nächsten Monaten will die Organisation bis zu 10.000 Menschen zusätzlich erreichen, und zwar in den Gegenden von Damaskus und Aleppo sowie in Homs und der Küstenstadt Latakia.

In Flüchtlingslagern werden SOS-Mitarbeiter auch bei der Betreuung traumatisierter Kinder helfen. Damit Flüchtlingskinder einen geregelten Unterricht besuchen können, sollen Familien außerdem bei Schulgebühren unterstützt und Schulmaterial verteilt werden. In Syrien gibt es zwei SOS-Kinderdörfer. Wegen Kämpfen wurde das Kinderdorf bei Damaskus einmal evakuiert. Inzwischen finden dort auch Familien aus dem zweiten SOS-Kinderdorf aus Aleppo Zuflucht.

Lawrow keilt gegen den Westen

Der russische Verteidigungsminister Sergej Lawrow warf derweil dem Westen vor, im Syrien-Konflikt "Terroristen" zu unterstützen. "Unsere westlichen Kollegen haben damit begonnen, zwischen schlechten und akzeptablen Terroristen zu unterscheiden", sagte Lawrow dem englischsprachigen Fernsehsender Russia Today. Dies sei "sehr gefährlich". Auch die syrische Führung von Staatschef Baschar al-Assad spricht im Zusammenhang mit den gegen sie kämpfenden Rebellen stets von "Terroristen".

Lawrow sagte weiter, dass man den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nicht zum Rücktritt überreden wolle. "Wir beschäftigen uns nicht mit einem Regierungswechsel." Russland gilt als einer der letzten Verbündeten Assads und verhinderte im UN-Sicherheitsrat mehrfach Sanktionen gegen dessen Führung. In einem Aufstand gegen Assad, der seit rund 21 Monaten andauert, wurden nach unbestätigten Angaben von Menschenrechtsaktivisten bislang mehr als 43.000 Menschen getötet.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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