Politik

Wahl wird nicht verschoben Fortuyn-Attentäter vor Gericht

Der mutmaßliche Mörder des niederländischen Politikers Pim Fortuyn soll heute erstmals dem Gericht vorgeführt werden. Der 32-Jährige, dessen Namen die Polizei weiterhin zurück hält, war unmittelbar nach den tödlichen Schüssen auf den Rechtspopulisten in Hilversum festgenommen worden. Trotz des Attentats auf Fortuyn wird die niederländische Parlamentswahl am 15. Mai nicht verschoben. Das teilte Ministerpräsident Wim Kok am Dienstag mit.

Attentäter verweigert jede Aussage

Der mutmaßliche Attentäter, ein militanter Tierschützer, schweige bislang zum Tatvorwurf, teilte die Polizei mit. Der Mordverdächtige war Angestellter der Umweltschutzorganisation Milieu Offensief in Wageningen. Nach seinen eigenen Angaben im Internet habe sein Interesse vor allem dem Kampf gegen intensive Viehhaltung und gegen Pelztierzucht gegolten. Fortuyn hat nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP angekündigt, dass er das erwartete Verbot für Pelztierzucht rückgängig machen wollte.

Der Verdächtige hatte nach den bisherigen Ermittlungen aus einer Pistole fünf Schüsse auf Fortuyn abgefeuert, als der Politiker nach einer Rundfunksendung das Funkhaus in Hilversum verließ. Zwei Kugeln trafen das Opfer in den Rücken, zwei in den Hals und eine in den Kopf. Die Waffe trug der Mann bei sich, als er kurze Zeit später festgenommen wurde. In seiner Wohnung sei Munition des gleichen Kalibers wie das der Tatwaffe entdeckt worden.

Nach Angaben der Justiz war der verheiratete Mann zuvor nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er sei aber beim Verfassungsschutz bekannt gewesen.

Wahltermin bleibt

Ministerpräsident Kok verteidigte die Entscheidung, die Parlamentswahl nicht zu verschieben. Damit werde vom Wähler im Hinblick auf sein Urteilsvermögen viel verlangt, räumte Kok ein. "Ich bin aber überzeugt, dass unsere Bevölkerung dazu imstande ist", sagte er. Nach dem Attentat hatten die politischen Parteien über eine mögliche Verschiebung der Wahl nachgedacht.

Kok hatte zuvor unter anderem mit Vertretern der Fortuyn-Partei "Liste Pim Fortuyn " (LPF) gesprochen. Die LPF sprach sich dafür aus, den 15. Mai als Termin beizubehalten. Der Wahlkampf war bereits am Montag ausgesetzt worden.

Vertreter der Fortuyn-Partei kündigten an, die Partei werde auch ohne ihren Gründer im Rennen bleiben. Parteisprecher Mat Herben machte die regierenden Parteien mitverantwortlich für das angeblich verzerrte Bild, das von der Liste und ihrem Spitzen-Kandidaten gezeichnet worden sei.

Nach Umfragen kann die "Liste Pim Fortuyn" bei der bevorstehenden Wahl mit knapp 20 Prozent der Stimmen rechnen. Damit nähme die Gruppierung den dritten Platz in der niederländischen Parteienlandschaft ein und könnte sogar auf die Regierungsbildung Einfluss nehmen.

Quelle: n-tv.de

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