Politik

Rätselraten über das Motiv Fortuyn-Mörder angeklagt

Der mutmaßliche Mörder des niederländischen Politikers Pim Fortuyn ist dem Gericht vorgeführt worden. Der 32-jährige Volkert van der Graaf, der unmittelbar nach den tödlichen Schüssen auf den rechtspopulistischen Politiker in Hilversum festgenommen worden war, verweigerte weiterhin die Aussage.

Die Anklage lautet auf Mord und illegalen Waffenbesitz. Der Haftrichter ordnete für van der Graaf eine vorläufige Inhaftierung für zehn Tage an. In dieser Zeit müsse ein dreiköpfiger Haftprüfungsausschuss über die endgültige Inhaftierung entscheiden.

Motiv weiter unklar

Nach Angaben der Polizei hat der Mann, der als Angestellter bei der Umweltschutzorganisation "Vereniging Millieu Offensif" (VMO) arbeitete, bislang zum Tatvorwurf geschwiegen. Das Motiv für den Mord an dem bekennenden, 54-jährigen Homosexuellen Fortuyn, dessen Liste bei den bevorstehenden Wahlen gute Chancen vorausgesagt wurden, blieb bisher völlig im Dunkeln.

Der mutmaßliche Täter hatte sich nach Angaben der VMO aus der Stadt Wageningen vor allem gegen die Lebensmittelindustrie und Tierversuche engagiert. "Dagegen lässt sich eigentlich nichts sagen, aber im Verlauf der Jahre ist das immer verrückter geworden. Er wurde ein regelrechter Extremist", zitierte das "Algemeen Dagblad" den Sprecher einer Bauernorganisation. Fortuyn hatte nach Angaben der niederländischen Agentur ANP im Fall eines Wahlerfolgs ein im Januar verabschiedetes Gesetz aufheben wollen, das die Zucht von Pelztieren verbietet.

Van der Graaf war Fortuyns Partei nach Angaben eines Sprechers bereits bekannt. Er sei ein radikaler Tierschützer, der sich mit einem Mitglied der Fortuyn-Liste angelegt habe, sagte Jim Janssen van Raaij der Nachrichtenagentur AFP.

Noch ein Mord?

Inzwischen untersucht die niederländische Polizei, ob eine Verbindung zu dem bisher nicht aufgeklärten Mord eines Umweltschutzbeamten der Provinz Gelderland im Dezember 1996 besteht. Dies bestätigte ein Sprecher der Polizei in Apeldoorn. Der Beamte Chris van der Werken, der Bewilligungen nach der Umweltgesetzgebung bearbeitete, sei damals aus der Nähe erschossen worden. Eine Verbindung zwischen der VMO und der Tat sei aber nie bewiesen worden.

Beisetzung am Freitag

Fortuyn soll am Freitag auf dem Friedhof Driehuis-Westerveld bei Ijmuiden im Familienmausoleum beigesetzt werden. Wie ein Sprecher von Fortuyns Partei bestätigte, soll der Politiker später endgültig im italienischen Provesano di San Giorgio della Richinvelda beerdigt werden, wo er seit einigen Jahren ein Haus hatte.

Quelle: n-tv.de

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