Politik

Richter mit Leib und Seele Frank Rosenow leitet den Wulff-Prozess

Der Richter, der über den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff urteilen wird, geht für die Wahrheitsfindung auch mal ungewöhnliche Wege. Wulff muss sich auf einen Richter gefasst machen, der auch Details auf den Grund gehen will.

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Frank Rosenow

(Foto: dpa)

Nach Einschätzung von Kollegen ist Frank Rosenow mit Leib und Seele Richter. Er selbst äußert sich derzeit nicht zu seiner Person und vermeidet es, mit Journalisten zu reden. Doch ab Donnerstag wird der Vorsitzende der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Rosenow leitet den mit Spannung erwarteten Prozess gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und den Filmmanager David Groenewold.

Im Vorfeld des Prozesses setzte Rosenow durchaus einige Akzente. Die auf Bestechung und Bestechlichkeit lautende Anklage der Staatsanwaltschaft stufte die Strafkammer auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung zurück. Andererseits machte die Kammer in ihrem Eröffnungsbeschluss klar, dass sie durchaus gewillt ist, der Verbindung der beiden Angeklagten gründlich nachzuspüren.

Was Groenewold und den damaligen Ministerpräsidenten Wulff verbindet, ob Korruption im Spiel ist - das sind die Fragen, denen Rosenow offenkundig auf den Grund gehen will. Das zeigt alleine schon die Tatsache, dass der Vorsitzende Richter für das Verfahren bereits mehr als 20 Verhandlungstage bis in den April 2014 hinein angesetzt hat.

Auch zu unkonventionellen Methoden bereit

Rosenow ist wie Wulff 1959 geboren, seit 1990 im Justizdienst des Landes Niedersachsen, verheiratet, er hat einen erwachsenen Sohn. Seine Verhandlungsführung gilt als freundlich aber bestimmt. Die Prozessbeteiligten begrüßt er zuweilen einzeln mit Handschlag. Er braucht keine künstliche Distanz, um in seinem Gerichtssaal stets als Autorität wahrgenommen zu werden. Als Vorsitzender Richter einer Großen Strafkammer am mit Abstand größten niedersächsischen Landgericht beschäftigt er sich mit der ganzen Palette der Schwerkriminalität.

Für die Wahrheitsfindung geht Rosenow auch mal ungewöhnliche Wege. Einem Zeugen, der sichtlich unter Alkoholentzug litt, ließ er durch einen Wachtmeister zwei Flachmänner mit Weinbrand in den Gerichtssaal holen, um diesen in die Lage zu versetzen, seine Aussage zu machen. Solch unkonventionelle Methoden stoßen bei Kollegen nicht nur auf Zustimmung.

Und er überlässt möglichst nichts dem Zufall. Das Akkreditierungsverfahren für die Journalisten im Vorfeld des Wulff-Prozesses war hoch komplex. Es verlief aber anders als beim Münchener Verfahren um die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) pannenfrei. Und für die Hauptverhandlung gelten strengste Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensregeln, immerhin sitzt erstmals ein ehemaliger Bundespräsident auf der Anklagebank.

Quelle: n-tv.de, AFP