Politik

Das Prinzip Hoffnung G7 beraten in Washington

Die großen Industrieländer setzen angesichts der tiefsten Krise seit den 30er Jahren auf das Prinzip Hoffnung. Finanzminister und Notenbanker machten bei einem Treffen in Washington erste Vorboten einer sich ganz langsam anbahnenden Erholung der Weltwirtschaft aus. Zudem suchten sie auf mehreren Konferenzen fieberhaft nach Lösungen für das Generalproblem der Schrottpapiere in den Bankenbilanzen. Ohne eine Entlastung der Branche wird den Experten zufolge ein nachhaltiger Aufschwung kaum möglich sein.

Zeichen der Hoffnung

"Wenn wir die Banken nicht in Ordnung bringen, werden wir die Wirtschaft nicht in Ordnung bringen können", sagte der britische Finanzminister Alistair Darling vor einem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G7) in Washington. Die "magische" Lösung für die wie Blei in den Bankenbilanzen lastenden Risikopapiere habe jedoch noch keiner gefunden, beklagte Staatsekretär Jörg Asmussen, der Finanzminister Peer Steinbrück vertrat. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, entdeckte dennoch einige Hoffnungszeichen, wie etwa in Deutschland die neuerliche Verbesserung des Ifo-Indexes für das Geschäftsklima. Aber auch er erwartet eine schrittweise Erholung erst im kommenden Jahr. Von der Wachstumsdynamik der letzten Jahre müsse man sich verabschieden, sagte er.

Volles Programm in Washington

Finanzminister, Notenbanker und Entwicklungspolitiker beraten bis Sonntag über den Absturz der Weltwirtschaft, die Auswirkungen der Finanzkrise und die Umsetzung der Beschlüsse des Weltfinanzgipfels von Anfang des Monats. Erstmals wird sich an das Treffen der G7 unmittelbar eines der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer anschließen. Am Samstag geht es dann bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank um die Beschlüsse des Londoner G20-Gipfels, den IWF und andere internationale Finanzorganisationen mit über einer Billion Dollar zusätzlicher Mittel auszustatten, um den ärmsten Ländern und von der Krise getroffenen Staaten besser zu helfen.

Abschwung verliert an Dramatik

Im G7-Abschlusskommunique werde davon die Rede sein, dass positive Zeichen am Horizont heraufzögen, betonte Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Der Abschwung werde an Dramatik verlieren. Das ändere aber nichts daran, dass die Weltwirtschaft noch tief in der Krise stecke und vor einem langwierigen Aufholprozess stehe.

Auch US-Finanzminister Timothy Geithner schrieb in der "Financial Times", der Abschwung laufe möglicherweise langsam aus. "Die G20-Länder müssen ihr Versprechen erfüllen, eine Haushalts-, Finanz- und Geldpolitik zu betreiben, die das Wachstum wiederherstellt", forderte er. Die Ankündigungen von London, wo Hilfen von 1,1 Billionen Dollar über die internationalen Finanzorganisationen zugesagt worden waren, müssten eingehalten werden. Allerdings ist zum Teil noch nicht ganz klar, woher diese Mittel etwa für den IWF kommen. Die Industrieländer fordern von einigen wichtigen Schwellenländern mit hohen Währungsreserven, wie China und Indien, einen entsprechenden Beitrag zu leisten.

Ein Dreier-Minus für Deutschland

Für Deutschland rechnet Bundesbank-Präsident Weber im ersten Quartal mit womöglich noch schlechteren Zahlen zur Schrumpfung der Wirtschaft als im desaströsen vierten Quartal 2008. Das Minus könnte mit einer Drei beginnen, sagte er. Die IWF-Zahl von einer Schrumpfung des deutschen Bruttoinlandsprodukts in 2009 um 5,6 Prozent halten Bundesregierung wie Bundesbank für plausibel.

Auch die Zeit sinkender Steuersätze und relativ günstiger Arbeitskosten könnte Weber zufolge erst einmal vorbei sein. Ein Deflationsproblem sieht er zwar derzeit nicht. Dennoch könnten die Preise in Deutschland im Sommer zeitweise zurückgehen. Auf längere Sicht gebe es wegen des vielen Geldes, das in die Wirtschaft gepumpt werde, eher Inflationsgefahren, die die Europäische Zentralbank unterbinden würde.

Quelle: ntv.de

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