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Zielpersonen über Online-Netzwerk ausspioniert GCHQ fälscht LinkedIn-Seiten

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Diese Anlage auf der Royal Air Force Base Menwith Hill in North Yorkshire soll der britische Geheimdienst nutzen.

(Foto: dpa)

Um sich Zugang zu Rechnern von Zielpersonen zu verschaffen, baut der britische Geheimdienst GCHQ Seiten des Karriere-Netzwerks LinkedIn nach. Laut einem Medienbericht späht er so Kommunikationskonzerne aus - und die Führungsebene der Opec.

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US-Präsident Barack Obama bei einem Town Hall Meeting - veranstaltet von LinkedIn.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der britische Geheimdienst GCHQ nutzt laut einem Medienbericht manipulierte Kopien von Seiten des Karriere-Netzwerks LinkedIn, um sich Zugang zu den Rechnern von Zielpersonen zu verschaffen. Auf diese Weise habe der Geheimdienst etwa die Computer von Mitarbeitern des halbstaatlichen belgischen Telekommunikationskonzerns Belgacom infiltriert, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf Dokumente des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Demnach attackierte der britische Geheimdienst gezielt die Rechnersysteme von Unternehmen, die im internationalen Mobilfunkgeschäft als Dienstleister für andere Anbieter fungieren - etwa Abrechnungsunternehmen wie Mach, über die viele Mobilfunkanbieter ihre Roaminggeschäfte abwickeln.

Auch Opec wurde ausgespäht

Für seine Attacken habe das GCHQ eine Methode namens "Quantum Insert" genutzt, um sich tief in die Firmennetze vorzuarbeiten. Der Geheimdienst habe sich so Detailwissen über das Unternehmen Mach, seine Kommunikationsinfrastruktur, sein Geschäft und diverse Schlüsselpersonen verschafft, heißt es laut "Spiegel" in einem als "streng geheim" eingestuften GCHQ-Papier.

Auf Anfrage erklärte LinkedIn, das Unternehmen billige es nicht, wenn seine "Plattform oder falsche LinkedIn-Profile wie beschrieben eingesetzt werden". "Um es klar zu sagen: Wir würden eine derartige Aktivität niemals gutheißen, unabhängig welchem Zweck sie dient, und wurden über die angebliche Aktivität auch nicht unterrichtet." Ein Sprecher von Starhome Mach, einem Mach-Nachfolgeunternehmen, sagte, es werde "mit sofortiger Wirkung eine umfassende Sicherheitsüberprüfung" gestartet.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder OPEC mit Hauptsitz in Wien ist dem Bericht zufolge gleich doppelt im Visier: Sowohl das GCHQ als auch die NSA führten sie als Aufklärungsziel. Laut einem Geheimpapier des GCHQ sei es im Jahr 2010 mittels der "Quantum Insert"-Methode gelungen, die Computer von neun OPEC-Angestellten zu infiltrieren. Der NSA gelang es laut US-Dokumenten sogar, bis in den Arbeitsbereich des OPEC-Generalsekretärs vorzudringen, zudem hätten NSA-Mitarbeiter den saudiarabischen OPEC-Gouverneur ausgespäht.

McCain fordert Obama zur Entschuldigung auf

Der einflussreiche republikanische Senator John McCain kritisierte derweil das Verhalten von US-Präsident Barack Obama in der Abhör-Affäre um Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Gemessen daran, wie wütend Angela Merkel war, hätte der Präsident sich entschuldigen müssen", sagte der frühere Präsidentschaftskandidat dem "Spiegel". In einem Fall wie dem Ausspähen von Merkels Handy trage letztlich immer der Präsident die Verantwortung. "Es ist denkbar, dass er davon nichts wusste. Aber Tatsache ist, er hätte davon wissen müssen."

Der scheidende Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte international Konsequenzen aus der Spähaffäre. "Ein bilaterales Abkommen mit den USA über das gegenseitige Nicht-Ausspähen reicht nicht", sagte Westerwelle der "Welt am Sonntag". Eine weltweite Vereinbarung für den Datenschutz sei erforderlich.

"Deutschland und Brasilien haben mit dem Vorschlag einer Resolution in den Vereinten Nationen den Anfang gemacht", betonte der Außenminister. Es sei ein Beitrag zur richtigen Balance zwischen dem Schutz der Privatsphäre und berechtigten Sicherheitsinteressen. Als Konsequenz aus der Abhöraffäre schloss Westerwelle die Möglichkeit nicht aus, das Swift-Abkommen zum Datenaustausch vorerst auszusetzen. "Dagegen sollten wir an den Verhandlungen eines umfassenden Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA in unserem eigenen strategischen Interesse festhalten", sagte er.

Der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann pocht auf Zusagen der US-Regierung. "Wir brauchen jetzt konkrete Vereinbarungen", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Ein Antispionage-Abkommen zwischen Deutschland und den USA könne "ein erster Schritt sein, die Partnerschaft wieder neu auszurichten".

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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