Politik

Große Summen für Loyalität Gaddafi bietet Geld

Peitsche und Zuckerbrot scheint die neue Strategie von Libyens Machthaber Gaddafi zu sein. Während er die befreiten Städte im Osten immer wieder angreifen lässt, geht er im Westen einen anderen Weg. Hier bietet er den Menschen Geld an, wenn sie ihm die Treue halten. Großbritannien stoppt ein deutsches Schiff mit libyschen Banknoten im Wert von umgerechnet 119 Mio Euro.

2011-03-03T160727Z_01_SJS20_RTRMDNP_3_LIBYA.JPG451016788669588755.jpg

Gaddafi verliert immer mehr an Unterstützung.

(Foto: REUTERS)

Im Kampf gegen die Aufständischen setzt der im Osten weiter auf militärische Gewalt, doch im Westen bietet er Geld an. Medien der libyschen Opposition meldeten, Gaddafi habe Vermittler in die westlichen Städte Misrata, Nalut und Al-Sawija geschickt. Diese boten den Einwohnern der drei Städte, in denen es zuvor erbitterte Kämpfe zwischen Aufständischen und den Truppen Gaddafis gegeben hatte, viel Geld für ihre Loyalität an. Angeblich lehnten die Vertreter der Aufständischen dieses Angebot alle ab.

Die Oppositions-Website "Al-Manara" meldete zudem, in Misrata seien "Provokateure" mit Autos durch die Stadt gefahren und hätten die Jugend der Stadt zum "Heiligen islamischen Krieg gegen Gaddafi" aufgerufen. Die jungen Männer, die sich freiwillig gemeldet hätten, seien anschließend verschleppt worden.

Tausende Euro

Die arabische Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete, in der Stadt Al-Sawija hätten Gesandte Gaddafis jeder Familie, die durch die Unruhen ein Familienmitglied verloren hat, 250.000 Dinar (umgerechnet rund 145.000 Euro) angeboten. Alle anderen Familien sollten 20.000 Dinar erhalten.

2wj54119.jpg760491810701161840.jpg

Die Menschen seien auf die Angebote nicht eingegangen.

(Foto: dpa)

Zuvor hatte das Regime bereits offiziell monatliche Unterstützungszahlungen in Höhe von 500 Dinar für jede libysche Familie versprochen. Im libyschen Staatsfernsehen diskutierten Funktionäre über "Reformen". Einer von ihnen suchte dabei verzweifelt nach einem unverfänglichen Begriff für die Aufständischen, die er schließlich "diese Leute, die solche Forderungen haben", nannte.

Deutsches Schiff mit Gaddafi-Millionen gestoppt

Inzwischen hat die britische Marine ein deutsches Containerschiff mit libyschen Banknoten im Wert von 100 Millionen Pfund (rund 119 Millionen Euro) an Bord gestoppt und in einen britischen Hafen zurückgeleitet. Die "Sloman Provider" der Bremer Sloman Neptun Schiffahrts AG sei auf dem Weg nach Libyen abgefangen worden, teilte das Innenministerium in London mit. Die libysche Währung, die von einer Druckerei in Großbritannien hergestellt wird, darf wegen der jüngsten UN-Sanktionen nicht mehr ausgeführt werden.

Die britischen Behörden hätten das unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Schiff ausfindig gemacht, abgefangen und in den Hafen von Harwich geleitet, teilte das Ministerium weiter mit. Einige der Container seien "an einen sicheren Ort" gebracht worden.

Der Ausfuhrstopp für die libyschen Banknoten gilt bis nächstes Jahr. Ferner wurde in Großbritannien Vermögen der libyschen Führung in einer geschätzten Höhe von einer Milliarde Euro eingefroren.

Neue Bombardements

Im Kampf gegen die Aufständischen im Osten, die sich in den Waffendepots der staatlichen Sicherheitskräfte mit Waffen und Munition eingedeckt haben, setzt Gaddafi derweil weiterhin Soldaten und Söldner ein. Gaddafi-treue Einheiten griffen nach Angaben der Aufständischen erneut aus der Luft eine Kaserne in der Nähe der Stadt Adschdabija an. Bei dem kurzen Angriff sei allerdings niemand verletzt worden.

Seit die Gegner des Revolutionsführers die Kontrolle über den Osten des Landes übernommen haben, wurde die Kaserne bereits mehrmals angegriffen. Bisher habe die Militärbasis alle Angriffe unbeschadet überstanden.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema