Politik

"Ich bin heilig für das libysche Volk" Gaddafi fordert Verhandlungen

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Gaddafis wirre Botschaften: Bislang hielt er sich an keine seiner Versprechen.

(Foto: Reuters)

Libyens Diktator Gaddafi meldet sich einmal mehr mit einer wirren Fernsehansprache zu Wort. Darin erklärt er seine Bereitschaft zu Friedensverhandlungen. Das Land verlassen will er aber nicht. Stattdessen vergleicht sich Gaddafi mit dem japanischen Kaiser. Seine Regierungen bietet den Rebellen in Misrata angeblich Amnestie an, wenn sie ihre Waffen niederlegen.

Nach wochenlangen Luftangriffen und festgefahrenen Bodenkämpfen wirbt der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi für eine diplomatische Lösung. "Libyen ist für einen Waffenstillstand bereit, der aber nicht einseitig sein kann", sagte Gaddafi in einer Fernsehansprache. Einen Gang ins Exil lehnt er allerdings ab. "Niemand kann mir vorschreiben, mein Land zu verlassen, und niemand kann mir untersagen, für mein Land zu kämpfen."

Gaddafi erklärte sich zu Verhandlungen bereit: "Wir sind bereit, mit Frankreich und den USA zu verhandeln, aber ohne Bedingungen", sagte er. "Wir ergeben uns nicht, aber ich rufe Sie auf, zu verhandeln. Wenn Sie das Öl wollen, werden wir Verträge mit Ihren Firmen abschließen, es ist nicht nötig, Krieg zu führen." Die Libyer könnten ihre Probleme untereinander lösen, ohne zu kämpfen. "Ziehen Sie ihre Flotten und Ihre Flugzeuge ab", forderte Gaddafi die NATO auf. Die Rebellen im eigenen Land bezeichnete er erneut als "Terroristen", die nicht aus Libyen kämen, sondern aus Algerien, Ägypten, Tunesien und Afghanistan.

Gaddafi betonte in seiner Rede, wie sehr ihn sein Volk liebe. Er sei für die Libyer "heiliger als der Kaiser von Japan für sein Volk"."Ich bin heilig für das libysche Volk, ich bin ein Symbol und ein Vater für sie." Der libysche Machthaber hielt die vom Fernsehen übertragene Rede während einer Feier anlässlich des 100. Jahrestages einer Schlacht gegen die damalige italienische Besatzungsmacht in Libyen.

Misrata im Mittelpunkt der Kämpfe

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Misrata bleibt schwer umkämpft: Ein angeschossener Sanitäter wird versorgt.

(Foto: AP)

In Libyen ist es nach Wochen mit schnellen Landgewinnen und Rückschlägen auf Seiten der Gaddafi-Truppen und der Aufständischen zu einer Pattsituation gekommen. Weder Rebellen noch Regierungstruppen können derzeit einen entscheidenden Durchbruch erzielen. Die NATO, die mit Luftangriffen Zivilisten schützen soll, beobachtet die Entwicklung mit Unruhe. Die Rebellen fordern ein stärkeres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. Kritiker monieren allerdings, die Allianz überschreite bereits das UN-Mandat und wolle Gaddafi töten.

Die Kriegsparteien hatten am Freitag weiter erbittert um die Küstenstadt Misrata gekämpft. Die NATO hinderte Gaddafi-Einheiten nach eigenen Angaben daran, im Hafen der Stadt Wasserminen zur Zerstörung von Schiffen zu installieren. Auch um den Flughafen der Stadt lieferten sich Rebellen und Regierungstruppen weiter heftige Gefechte.

Amnestie-Angebot

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Unter Kontrolle: Ein Rebellenkämpfer wacht über das Freitagsgebet in Adschdabija.

(Foto: REUTERS)

Die libysche Regierung hat nach eigenen Angaben den Aufständischen in Misrata eine Amnestie angeboten, wenn sie ihre Kämpfe einstellen. Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte, das Justizministerium des Landes rufe "alle bewaffneten Gruppen in Misrata auf, im Gegenzug für eine Straffreiheit ihre Waffen niederzulegen". Dieses Angebot gelte bis kommenden Dienstag und die Regierung garantiere all denen, die sich ergeben, dass sie ungehindert die Stadt verlassen könnten.

Ibrahim bestätigte zudem einen Bericht des staatlichen Fernsehens, wonach die libysche Regierung damit drohte, jedes in den Hafen von Misrata einfahrende Schiff anzugreifen. Das Fernsehen hatte zuvor berichtet, die libysche Armee habe den Hafen "außer Betrieb" gestellt und jedes Schiff, das aus welchem Grund auch immer versuche, einzufahren, werde angegriffen. Sämtliche Hilfsgüterlieferungen müssten stattdessen "auf dem Landweg und unter Aufsicht der Streitkräfte" erfolgen, berichtete das Fernsehen.

Proteste in Tripolis

Am Freitag waren einige Kämpfer von Gaddafi vor Aufständischen auf tunesisches Staatsgebiet geflüchtet. Rund 15 Fahrzeuge waren am Vormittag in die Grenzstadt Dahibah eingefahren, berichtete ein Korrespondent der tunesischen Nachrichtenagentur TAP. Armee und Grenzschützer hätten vergeblich versucht, sie aufzuhalten.

Derweil haben erstmals seit Wochen wieder Regimegegner in der Hauptstadt Tripolis demonstriert. Nach Angaben der Aufständischen schossen Regierungstruppen auf die Demonstranten und trieben sie mit Tränengas auseinander. Die Proteste hätten sich in den Vierteln Souk al-Dschumaa und Tadschura ereignet. Oppositionelle, die in den vergangenen Wochen aus der Hauptstadt geflüchtet waren, hatten erklärt, in Tripolis herrsche ein Klima der Angst.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa/rts

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