Politik

Nach Vorwürfen des Ex-Verteidigungsministers Gates und Obama wollen Freunde bleiben

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Barack Obama und Robert Gates sehen ihr Verhältnis nicht als zerrüttet an, wie es in den vergangenen Tagen dargestellt wurde.

(Foto: dpa)

Ein Buch sogt in den USA für Aufsehen: Robert Gates, bis 2011 Verteidigungsminister unter Barack Obama, stichelt in seinen Memoiren gegen den früheren Chef. Nun betonen auf einmal beide, wie gut sie sich verstehen. In der Sache bleiben sie uneinig.

Barack Obama wehrt sich gegen die negative Presse, die ihm sein früherer Verteidigungsminister Robert Gates eingebracht hat. Der US-Präsident habe an seine eigene Strategie in Afghanistan nicht geglaubt, hatte Gates in einem Buch geschrieben. In den USA stehen Wahlen an, die Äußerungen von Gates kommen den Demokraten darum sehr ungelegen.

Nun reagiert Obama, indem er die Sache zu einem Missverständnis erklärt. Gates sei ein guter Freund und habe dem Land in außergewöhnlicher Weise gedient, so der Präsident. "Ich werde für seine Dienste immer dankbar sein." Den konkreten Vorwurf wies er zurück: "So wie ich weiter an unsere Mission geglaubt habe, hatte ich auch unerschütterliches Vertrauen in unsere Soldaten."

Die Ende 2009 beschlossene Entsendung von 30.000 zusätzlichen US-Soldaten nach Afghanistan sowie der geplante Abzug aller internationalen Kampftruppen bis Ende 2014 seien "die richtige Strategie", sagte Obama. Noch sei die Aufgabe am Hindukusch nicht erledigt.

"Mein Buch ist gekapert worden"

In der Autobiografie "Duty: Memoirs of a Secretary of War" (wörtlich: "Pflicht: Erinnerungen eines Kriegsministers") stellt Gates laut Vorabberichten von US-Medien dem Präsidenten ein durchwachsenes Zeugnis aus. Obama habe als Oberbefehlshaber der Armee nicht an seine eigene Strategie im Afghanistan-Krieg geglaubt und der Militärführung misstraut, lautet ein Vorwurf. Die Memoiren sind in den USA ab diesem Dienstag erhältlich.

In einem Interview mit dem Fernsehsender NBC beklagte Gates, dass seine Äußerungen instrumentalisiert worden seien. "Das Buch ist von Vertretern aller politischer Lager gekapert worden, um eigene Zwecke zu verfolgen", sagte der frühere Pentagon-Chef. Die Passagen seien dabei aus dem Kontext gerissen worden.

Auch im Radiosender NPR nuancierte Gates sein Bild von Obama. Als der Präsident die Entsendung zusätzlicher Soldaten beschlossen habe, habe dieser sehr wohl an den Erfolg der Strategie geglaubt, sagte der Ex-Verteidigungsminister. Im Laufe des darauffolgenden Jahres seien Obamas Zweifel wegen des "konstanten Drucks" von Biden und enger Mitarbeiter im Weißen Haus allerdings gewachsen.

"Biden lag fast immer falsch"

In den Medienberichten der vergangenen Tage sei zudem untergegangen, "dass ich mit fast jeder Entscheidung des Präsidenten zum Afghanistan-Einsatz einverstanden gewesen bin", sagte Gates. Mit Obama pflege er eine "sehr gute persönliche Beziehung".

Der frühere Verteidigungsminister geht in dem Buch auch mit Vizepräsident Joe Biden hart in Gericht. Biden habe "bei fast allen wichtigen außen- und sicherheitspolitischen Themen der vergangenen vier Jahrzehnte" falsch gelegen, heißt es in den vorab veröffentlichten Auszügen. Über die frühere Außenministerin Hillary Clinton schreibt Gates, diese habe eingeräumt, sich im Jahr 2007 als Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten aus politischen Gründen gegen den Irak-Einsatz gestellt zu haben.

Gates war von 2006 bis 2011 Pentagon-Chef. Er steht den Republikanern nahe und hatte das Amt sowohl unter dem Republikaner George W. Bush als auch unter dem Demokraten Obama inne. Seine Karriere startete Gates beim Auslandsgeheimdienst CIA, wo er fast drei Jahrzehnte lang sechs verschiedenen Präsidenten diente. Von 1991 bis 1993 war er sogar Chef der CIA.

Quelle: n-tv.de, che/AFP

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