Politik

Im Fernsehen läuft "Der Untergang" Gbagbo verschanzt sich im Bunker

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Outtaras Soldaten geben sich bereits siegesgewiß.

AP

Der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Gbagbo, wehrt bislang die Angriffe der Truppen des gewählten Präsidenten Quattara erfolgreich ab. Auch französische Soldaten nehmen Gbagbos Residenz unter Beschuss. Sie helfen zudem bei der Evakuierung ausländischer Diplomaten.

Trotz scheinbar aussichtsloser Lage und allen internationalen Appellen zum Trotz weigert sich der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste aufzugeben. Laurent Gbagbo und etwa 1000 seiner Kämpfer verteidigten weiterhin die umzingelte Residenz in Abidjan. Die Truppen des anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara, die das westafrikanische Land weitgehend unter Kontrolle haben, attackieren seit Tagen ohne Erfolg den letzten Zufluchtsort des abgewählten Gbagbo.

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Ein Zivilist ist zwischen die Fronten geraten und wurde verwundet.

(Foto: dpa)

Der 65-jährige Gbagbo hat sich mit seinen Milizen verschanzt. Die letzten noch loyalen Truppen der regulären Streitkräfte hatten bereits am Dienstag aufgegeben. Der französische Verteidigungsminister Gérard Longuet sagte, Gbagbo verfüge noch etwa über 1000 Kämpfer, von denen sich ungefähr 200 in der Residenz befänden. Während sich Gagbo verschanzte, liefen im Fernsehen Szenen aus dem Film "Der Untergang" von 2004. Ouattara hatte die Ausstrahlung des düsteren deutschen Streifens über die letzten Tage Hitlers in seinem Berliner Bunker angeordnet.

Kritik an französischem Einsatz

Auch die in der Elfenbeinküste eingesetzten französischen Soldaten der Einheit "Einhorn" nahmen Gbagbos Residenz unter Beschuss, wie Frankreichs Botschaft mitteilte. Dessen Truppen hätten das benachbarte französische Botschaftsgebäude beschossen. Die französischen Soldaten hätten daher die Schüsse von Hubschraubern aus erwidert. Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet betonte, dass sein Land Ouattaras Offensive nicht aktiv unterstütze. Die russische Regierung kritisierte dagegen die Einsätze Frankreichs und der UNO. Die Truppen nähmen für Ouattara Partei und mischten sich in einen "internen Konflikt" ein, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Moskau. Die Soldaten dürften nach den UN-Vorgaben nur zum Schutz der Zivilbevölkerung eingreifen.

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Gbagbo bleibt kein anderer Ausweg als das Exil.

(Foto: REUTERS)

Mehrere Botschafter in Abidjan baten Frankreich zudem um Hilfe bei der Evakuierung. Dazu gehörten Japan, Indien und Israel, sagte Frankreichs Außenminister Alain Juppé in Paris. Nachdem bewaffnete Gbagbo-Kämpfer die Residenz des japanischen Botschafters angegriffen hatten, brachten französische Soldaten den Botschafter und seine Mitarbeiter in der Nacht mit einem Hubschrauber in Sicherheit. Viele Botschaften in Abidjan liegen im Regierungsviertel Plateau, wo sich auch die belagerte Residenz Gbagbos befindet.

Seine Residenz sei von "Söldnern" angegriffen worden, die Raketen und Gewehrschüsse abgefeuert und geplündert hätten, sagte der japanische Botschafter Yoshifumi Okamura. "Vier Personen, Sicherheitsbeamte und der Gärtner, sind verschwunden. Es gibt viel Blut im Haus, überall Patronen", sagte er. Einer seiner Mitarbeiter sei verletzt.

Sarkozy traute Ouattara

Bei dem blutigen Machtkampf zwischen Ouattara, der aus dem islamischen Norden stammt, und Gbagbo, der im christlichen Süden seine Basis hatte, sind nach UN-Angaben weit mehr als 1000 Menschen gestorben. Die Krankenhäuser Abidjans berichten von einem wachsenden Mangel an Medikamenten.

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Französische Soldaten sind vor Ort.

(Foto: dpa)

Internationale Hilfsorganisationen sorgen sich im verstärkten Maße um die Kinder, die in den Wirren des Bürgerkriegs von ihren Familien getrennt wurden. Das Welternährungsprogramm (WFP) musste wegen der Unsicherheit seine Arbeit in Abidjan aussetzen. Die UN und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) haben vor einer dramatischen Verschlechterung der Lebensverhältnisse in Abidjan gewarnt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Ouattara sind derweil enger verbunden als bisher bekannt. In seiner Zeit als Bürgermeister des Pariser Vororts Neuilly habe Sarkozy 1991 Ouattara und seine Frau Dominique getraut. Seitdem hätten die beiden Männer nie den Kontakt abgebrochen, berichtete die Pariser Zeitschrift "Le Point". Dominique hatte in den 1980er Jahren das in Frankreich angehäufte Vermögen des damaligen Präsidenten der Elfenbeinküste, Felix Houphouët-Boigny, verwaltet. Frankreich hat in der Elfenbeinküste seit Jahren Soldaten stationiert. In früheren Jahren griffen diese auch ein, um den derzeit angegriffenen Gbagbo vor Rebellenangriffen zu schützen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP/rts

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