Politik

Steinmeier in Russland Gedenken in St. Petersburg

Mit einer Kranzniederlegung hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier in St. Petersburg der Opfer der deutschen Belagerung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. In das Gästebuch am Mahnmal schrieb er, er verneige sich vor den Opfern der über 800-tägigen Belagerung. Er hob die Verpflichtung Deutschlands hervor, mit Russland für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zu arbeiten.

Die Zahl der Belagerungsopfer in der Stadt, die bis zur Wende in Russland Leningrad hieß, wird heute auf etwa 1,1 Millionen geschätzt. Genaue Angaben gibt es nicht. Der Sowjetarmee gelang es am Ende, den Einschließungsring zu sprengen. Die abgeriegelte Stadt konnte nur noch über den Ladogasee erreicht werden.

Treffen mit Kasparow

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat in Moskau mit dem russischen Oppositionspolitiker Garri Kasparow die Lage nach dem Machtwechsel im Kreml besprochen. Das halbstündige Gespräch fand in einem Hotel der russischen Hauptstadt statt. Das Gespräch sei "ruhig und sachlich" gewesen, sagte ein Diplomat.

Der 45-jährige frühere Schachweltmeister hatte sich für einen Neustart der zersplitterten Opposition nach dem Machtwechsel in Russland ausgesprochen. Am Vortag hatte Steinmeier bereits mit führenden Vertretern der liberalen Oppositionspartei "Union der Rechten Kräfte" geredet.

Technologief örderung

Mit dem neuen russischen Vize-Regierungschef Igor Schuwalow erörterte der Außenminister anschließend Fragen des Klimaschutzes, des Handels sowie der Technologieförderung. Beide sprachen auch über eine intensivere Zusammenarbeit im Hochtechnologie-Sektor sowie bei Investitionsprojekten.

"Das Treffen war zukunftsorientiert", sagte ein Diplomat. Schuwalow gilt als Wirtschaftsliberaler. Ihm wird als Verantwortlicher für WTO-Verhandlungen und Außenwirtschaftspolitik eine Schlüsselposition im neuen Team von Medwedew eingeräumt.

Kein Treffen mit Putin

Ein ursprünglich geplantes Treffen mit dem neuen Regierungschef, Ex-Präsident Wladimir Putin, kommt voraussichtlich nicht zustande. Als Grund hieß es, für Außenpolitik sei nun allein der neue Kremlchef Dmitri Medwedew zuständig. Ihn hatte Steinmeier bereits am Mittwoch getroffen.

Am Mittag flog Steinmeier nach St. Petersburg weiter, der letzten Station seiner fünftägigen Russlandreise. In der zweitgrößten Stadt des Landes war unter anderem ein Gedankenaustausch mit dem Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland geplant, dem aus Ansbach (Bayern) stammenden Bischof Edmund Ratz.

Weitere
Treffen mit Opposition


Steinmeier wollte auch mit Vertretern der Opposition zusammenkommen sowie am Ehrenmal für Weltkriegstote einen Kranz niederlegen. Zwischen September 1941 und Januar 1944 waren bei der Blockade von Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, durch die Wehrmacht Hunderttausende gestorben.

Quelle: ntv.de