Politik

Proteste in Thailand Gerüchte um Armeeputsch

Das thailändische Kabinett hat sich in einer Krisensitzung mit der politischen Krise im Land befasst. Die Minister trafen sich in der zweitgrößten Stadt Chiang Mai rund 600 Kilometer nördlich von Bangkok, um den Protestaktionen der Demonstranten zu entgehen, die inzwischen zwei Flughäfen in Bangkok besetzt haben. Lokalmedien spekulierten, dass das Kabinett den Ausnahmezustand verhängen wolle. In Bangkok machten erneut Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch die Runde, obwohl der Armeechef dies erst am Mittwoch ausdrücklich ausgeschlossen hatte.

Der massiv von der Opposition bedrängte Ministerpräsident Wongsawat hat an die Armee appelliert, in den Machtkampf nicht einzugreifen. Die Soldaten sollten in den Kasernen bleiben, sagte Regierungssprecher Nattawut Saikuar. Zugleich trat er Gerüchten entgegen, Somchai wolle Armeechef Anupong Paochina absetzen, der den Ministerpräsidenten am Mittwoch zum Rücktritt aufgefordert hatte. "Die Soldaten sollen in ihren Kasernen bleiben, und der Ministerpräsident will niemanden entlassen", sagte Nattawut. Vor zwei Jahren hatte das Militär Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, einen Schwager Somchais, mit einem Staatsstreich abgesetzt.

Die Demonstranten am internationalen Flughafen in Bangkok gaben ihre Blockade bislang nicht auf, sie halten das wichtigste Tor der Hauptstadt zur Welt seit Dienstag besetzt. Am Donnerstag verhinderten sie auch die letzten Flüge vom alten Flughafen Don Mueang, auf den Thai Airways noch einige Bangkok-Flüge umgeleitet hatte. In den Flughafengebäuden hatte bis vor kurzem noch die Regierung getagt, weil Demonstranten seit Ende August den Regierungssitz in der Innenstadt besetzt halten.

Krisenvorsorge der Botschaft

Die deutsche Botschaft in Bangkok forderte alle Deutschen im Lande auf, sich in eine Krisenvorsorgeliste einzutragen. Das soll es leichter machen, die Landsleute zu alarmieren, wenn die Situation außer Kontrolle gerät. Zahlreiche Länder raten schon von Reisen nach Thailand ab. Die Bundesregierung empfiehlt, Bangkok zu meiden.

Von der Besetzung der Flughäfen in Bangkok sind hunderte deutsche Urlauber betroffen. So strich Air Berlin für Flüge ab Düsseldorf und München mit insgesamt mehr als 500 Passagieren, wie eine Unternehmenssprecherin in Berlin sagte. Die Deutsche Lufthansa sagte einen Hin- und Rückflug mit rund 600 Fluggästen ab. Der Reiseveranstalter TUI strich bereits alle Reisen bis zum 1. Dezember nach Bangkok. Die übrigen Reiseziele in Thailand wie die Touristenhochburg Phuket waren nicht betroffen.

Flüge gestrichen

Air Berlin sagte einen Flug aus Düsseldorf mit 286 Passagieren und eine Verbindung aus München mit 264 Fluggästen ab. Dadurch waren auch rund 500 Kunden in Bangkok betroffen, die mit den Maschinen nach Deutschland zurückfliegen sollten. Bereits am Mittwoch hatten knapp 250 Passagiere nicht aus Bangkok in die Heimat fliegen können. Von der Absage aller TUI-Reisen nach Bangkok seit Mittwoch bis zum 1. Dezember sind einer Sprecherin zufolge insgesamt 140 Passagiere betroffen. Am Mittwoch seien zudem noch 140 Urlauber in Bangkok gewesen, von denen am Donnerstag 30 per Bus nach Phuket weiterreisen sollten. Für die anderen Gäste werde in Zusammenarbeit mit anderen Fluggesellschaften geprüft, wie sie nach Hause gebracht werden könnten.

Genaue Angaben über die insgesamt betroffenen deutschen Urlauber gab es nicht. In der Regel flögen jeweils 200 bis 300 Pauschalurlauber pro Tag nach Bangkok oder reisten von dort zurück, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Dabei seien aber Individualreisende nicht berücksichtigt.

Quelle: n-tv.de

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