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Gefangenentausch: 1 gegen 1000 Gilad Schalit schon in Ägypten?

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Freiheit: Schalit in einer Fernsehaufnahme im Jahr 2009.

(Foto: dpa)

Der von der Hamas 2006 entführte israelische Soldat Schalit ist angeblich bereits in Ägypten eingetroffen. Möglich wird die Freilassung des 25-Jährigen durch einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas. Für Schalit werden rund 1000 palästinensische Häftlinge freigelassen.

Der 2006 von der radikalislamischen Hamas verschleppte israelische Soldat Gilad Schalit soll angeblich schon in Ägypten sein. Das sagte ein hochrangiger ägyptischer Beamter auf der Sinai-Halbinsel. Aus Sicherheitskreisen in Kairo wurde dies jedoch dementiert.

Der Beamte, der sich in der Sinai-Stadt Al-Arisch aufhielt, erklärte, die Ägypter hätten am Dienstagabend am Grenzübergang Rafah ein Auto mit getönten Scheiben über die Grenze in den palästinensischen Gazasstreifen geschickt. Dieses sei kurz darauf mit Schalit nach Ägypten zurückgekehrt. Der Mann sei anschließend nach Kairo gebracht worden. Das Fahrzeug sei von niemandem bemerkt worden, da zu diesem Zeitpunkt fast ganz Ägypten vor dem Fernseher saß, um das Finalspiel der ersten ägyptischen Fußball-Liga anzusehen.

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Unglaublich Freude: Die Familie von Schalit hat sehnsüchtig auf die Nachricht gewartet.

(Foto: AP)

Schalit kommt nach fünf Jahren in Gefangenschaft der radikal-islamistischen Hamas nun wohl frei. Möglich wird dies durch einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und den Palästinensern. In der Nacht billigte auch die israelische Regierung den umstrittenen Handel, der Schalits Freiheit für die Freilassung von rund 1000 palästinensischen Häftlingen ermöglicht. Nach stundenlangen Debatten stimmten 26 der Minister für und drei gegen die Vereinbarung.

"Es ist das beste Abkommen, das wir in diesen stürmischen Zeiten im Nahen Osten erzielen konnten", sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu. Am vergangenen Donnerstag hätten Unterhändler beider Seiten in Kairo eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet und am Dienstag dann die endgültige Einigung.

Kommt Barghuti frei?

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"Das beste Abkommen": Premier Netanjahu verteidigt den umstrittenen Austausch.

(Foto: AP)

Angaben palästinensischer Vertreter, wonach auch Marwan Barghuti, der Anführer der zweiten Intifada, auf der Häftlingsliste-Liste steht, wurden von israelischer Seite dementiert. Weder Barghuti noch der Generalsekretär der Volksfront zur Befreiung Palästinas, Ahmed Saadat, würden freigelassen, sagte der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, Joram Cohen. Barghuti war im Jahr 2004 von einem israelischen Gericht zu fünfmal lebenslänglich verurteilt worden. Immer wieder ist er als möglicher Nachfolger von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Gespräch.

Auch der militärische Hamas-Arm in Gaza bestätigte den geplanten Tausch. Der einflussreiche Exilchef der Hamas, Chaled Maschaal, sprach in Damaskus von 1027 palästinensischen Gefangenen, die in zwei Schritten freikommen sollten. Nach Angaben von Maschaal sollen 450 militante Palästinenser sowie 27 Frauen schon binnen einer Woche freigelassen werden. In einem weiteren Schritt sollten binnen zwei Monaten 550 weitere militante Kämpfer freikommen. Im Gegenzug solle der 25-jährige Schalit erst nach Ägypten und in einem zweiten Schritt nach Israel gebracht werden.

Schalit war am 25. Juni 2006 am Rande des Gazastreifens von einem palästinensischen Kommando verschleppt worden. An der Aktion waren drei Palästinensergruppen, darunter die Hamas, beteiligt. Im Jahr 2009 waren Verhandlungen zur Freilassung des Soldaten unter deutscher und ägyptischer Vermittlung fast zum Abschluss gekommen. Doch hatten sich die beiden Seiten letztlich nicht darauf einigen können, welche palästinensischen Häftlinge im Austausch für Schalit, der auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, freikommen sollten.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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