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Spekulationen um Austausch Gilad Schalit vor Freilassung?

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Der israelische Soldat Gilad Schalit wurde am 25. Juni 2006 von militanten Palästinensern entführt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Soll nur Druck auf Israel ausgeübt werden, oder planen Israel und die Palästinenser einen umfassenden Gefangenenaustausch? Berichten zufolge hat Vermittler Ägypten einen Plan vorgelegt.

Der vor drei Jahren entführte israelische Soldat Gilad Schalit könnte möglicherweise schon bald freigelassen werden. Bislang gibt es allerdings nur widersprüchliche Informationen über eine mögliche Überstellung des inzwischen 22-Jährigen, der 2006 in Israel entführt und anschließend in den Gazastreifen verschleppt wurde.

In der ägyptischen Stadt Rafah, die an der Grenze zum palästinensischen Gazastreifen liegt, traf nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine "hochrangige Delegation" von Angehörigen der ägyptischen Sicherheitskräfte ein. Diese solle, falls der Gefangenenaustausch tatsächlich zustande kommen sollte, in den Gazastreifen reisen, um Schalit dort in Empfang zu nehmen und zunächst einmal nach Ägypten zu bringen, hieß es.

Schalits Familie hat keine Informationen

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Weiß angeblich nichts von einem Gefangenenaustausch: Israels Ministerpräsident Netanjahu.

(Foto: dpa)

Dagegen sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: "Mir sind solche Informationen nicht bekannt". Die israelische Tageszeitung "Haaretz" zitierte hochrangige Sicherheitsbeamte, wonach die Berichte unbegründet seien. Angehörige der Schalit-Familie sagten dem israelischen Rundfunk, dass sie ebenfalls keinerlei Informationen hätten.

Damit bleibt zunächst unklar, ob sich Ägypten, Israel und die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen auf einen Gefangenenaustausch geeinigt haben. Möglicherweise will Israel in dem Fall durch Stillschweigen die Vereinbarung nicht gefährden. Möglich ist jedoch auch, dass Ägypten und die Hamas den Druck auf Israel erhöhen wollen - am kommenden Donnerstag jährt sich die Entführung Schalits zum dritten Mal.

"Maan": Ägypten legt umfassenden Plan vor

Ägypten hat bei den indirekten Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas die Vermittlerrolle übernommen. Die palästinensische Nachrichtenagentur "Maan" berichtete, dass der ägyptische Sicherheitschef Omar Suleiman Israel einen umfassenden Plan präsentiert habe.

Danach soll nicht nur Schalit freigelassen werden, sondern Israel und die Hamas sollen auch eine langfristige Waffenruhe vereinbaren. Der dritte Punkt sieht eine Aussöhnung der verfeindeten Palästinensergruppen während der am Wochenende beginnenden Gespräche in Kairo vor.

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Kurz vor dem dritten Jahrestag der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit fordern Aktivisten dessen Freilassung und blockieren einen Grenzposten zwischen dem Gazastreifen und Israel.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Lösung aller drei Fragen ist Voraussetzung für ein Ende der vor zwei Jahren verhängten Blockade Israels gegen den Gazastreifen. Damit wäre auch der Weg frei für einen Wiederaufbau des Palästinensergebietes nach der israelischen Militäroperation vom Jahreswechsel.

Die Bedingungen für eine Freilassung Schalits sind derzeit noch unklar. Die Hamas hatte die Verhandlungen am 18. März abgebrochen, nachdem sich Israel geweigert hatte, 450 palästinensische Langzeithäftlinge aus israelischen Gefängnissen zu entlassen. Nach unbestätigten Berichten aus Gaza soll Schalit jetzt zunächst in ägyptische Obhut übergeben werden. Danach soll Israel 150 Häftlinge freilassen. Danach soll der Soldat an Israel übergeben werden. Im Gegenzug soll Israel weitere 450 Gefangene freilassen.

Hamas-Politiker freigelassen

Die israelischen Behörden hatten am Dienstag den palästinensischen Parlamentspräsidenten Asis Dweik von der Hamas nach fast drei Jahren Haft in die Freiheit entlassen. Dies war von Beobachtern als Signal dafür gedeutet worden, dass auch Schalit bald freikommen könnte.

Die Spekulationen über eine bevorstehende Freilassung hatten neue Nahrung auch durch einen palästinensischen Bericht erhalten, wonach der ägyptische General Mohammed Ibrahim in Tel Aviv eingetroffen sei, um die Details für einen Gefangenaustausch nach der Freilassung Schalits zu besprechen. Die israelischen Medien berichteten dies nicht. Aus Gaza hieß es, dass die ägyptische Delegation zu einem späteren Zeitpunkt zu Gesprächen mit der Hamas erwartet werde.

Quelle: n-tv.de, dpa

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