Politik

Portrait Johanna Wanka Grenzgängerin fürs Kabinett

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Schneller Anschlussjob: Johanna Wanka wechselt nach Berlin.

(Foto: dapd)

Angela Merkels designiertes neues Kabinettsmitglied hat einige Gemeinsamkeiten mit der Kanzlerin: Johanna Wanka ist Naturwissenschaftlerin, mit einem Hochschuldozenten verheiratet und blieb in der DDR wegen ihrer naturwissenschaftlichen Betätigung politisch unbelastet, bevor sie nach der Wende ihre politische Karriere startete.

Die designierte Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka ist eine echte Grenzgängerin in der deutschen Politik. Denn die in Sachsen Geborene und in Brandenburg Lebende ist die erste Ostdeutsche, die Ministerin in einem westdeutschen Bundesland war. Im April 2010 hatte sie der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff in die schwarz-gelbe Landesregierung nach Hannover geholt, wo Wanka bis zur Abwahl der Regierung im Januar als Wissenschaftsministerin tätig war.

Nun hat Wanka schneller als erwartet eine Anschlussverwendung gefunden. Im Kreis der Kandidaten für eine Schavan-Nachfolge gab es mehrere Kriterien, die für die frühere Rektorin der Fachhochschule Merseburg sprachen. Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel kennt Wanka nicht nur aus deren Zeit als Vorsitzende der brandenburgischen CDU in den Jahren 2008 bis 2010. Die Mathematikerin Wanka besitzt zudem Ansehen in der Wissenschaftswelt, war 2005 als brandenburgische Kultusministerin auch Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz gewesen.

Mit ihren Erfahrung als Wissenschaftsministerin in Niedersachsen und Brandenburg (2000 bis 2009) sowie in der Parteiarbeit dürfte Wanka daher weniger als Notbesetzung angesehen werden als dies etwa im Fall einer Ernennung des abgewählten niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAlisters der Fall gewesen wäre. Dazu kommt, dass die 61-Jährige auch weniger Probleme damit hat als ein ehrgeiziger, junger Aufsteiger, möglicherweise nur wenige Monate bis zur Bundestagswahl dem Bundeskabinett angehören zu können.

Regionaler Proporz hat für Merkel wie schon bei der Ernennung des Saarländers Peter Altmaier zum Umweltminister erneut keine Rolle gespielt: Allerdings hatten die ostdeutschen CDU-Landesverbände mehrfach darauf verwiesen, dass es außer der Kanzlerin selbst keinen Minister aus den neuen Ländern im Bundeskabinett gebe. Diese Lücke schließt die CDU-Chefin nun.

Noch eine Naturwissenschaftlerin

Auffallend sind die Parallelen beider Frauen: Merkel ist Physikerin, Wanka Mathematikerin. Beide sind mit Hochschuldozenten verheiratet, im Fall der designierten Wissenschaftsministerin ist es ein Mathematik-Professor, der in Merseburg tätig ist. Wanka ist zudem typisch für eine Gruppe ostdeutscher Politiker, die in der DDR wegen ihrer naturwissenschaftlichen Betätigung politisch unbelastet blieben und nach der Wende dann politische Karriere machten. Angriffsflächen dürfte ihre 1980 geschriebene Dissertation im Fach Mathematik zum Thema "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln" deshalb kaum bieten.

Auch nach dem Wechsel in den Westen genoss Wanka etwa als niedersächsische Wissenschaftsministerin einen Ruf als pragmatische, unideologische Politikerin. Besondere Akzente setzte sie in ihren beiden Jahren in Hannover aber nicht mehr. Dass etwa die renommierte Universität Göttigen ihren Status als Exzellenz-Universität verlor, wurde noch ihrem Vorgänger angelastet. Ausdrücklich machte sie sich in Niedersachsen aber für eine Öffnung der Hochschulen für "bildungsferne Schichten und Migranten" stark. Deshalb sollte auch über einen Hochschulzugang für Studenten ohne Abitur nachgedacht werden - eine Position, die in der CDU umstritten ist.

Im Zentrum der parteipolitischen Debatten stand Wanka in den vergangenen Monaten vor allem deshalb, weil sie bis zuletzt zusammen mit McAllister an den Studiengebühren in Niedersachsen festhielt.

Quelle: n-tv.de, sla/rts

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