Politik
Sonntag, 20. Mai 2001

Die Stasi-Krake: Grünen-Gründer wehrt sich

Das Gründungsmitglied der Grünen, Ernst-Randolf Lochmann, hat Berichte zurück gewiesen, als Spitzel für die Stasi gearbeitet zu haben. Ein entsprechender "Spiegel"-Bericht hatte am Wochenende für Aufregung gesorgt.

In einem Gespräch mit n-tv.de betonte Lochmann, niemals für die DDR-Staatssicherheit gearbeitet zu haben. Auch habe er niemals eine Erklärung unterschrieben. In dem "Spiegel"-Beitrag sei ein Interview nicht "wahrheitsgemäß wiedergegeben " worden. Er erwäge, gegen das Nachrichtenmagazin zu klagen.

Der heute 69-jährige Berliner Molekular- und Strahlenbiologe bezeichnete sich gegenüber n-tv selbst als "Sozialisten, der viele Jahre lang Kontakte in die DDR gehabt habe". Er habe sich oft auch mit DDR-Kollegen unterhalten. Themen seien stets politischer Natur gewesen. Die Vorwürfe, er habe "fast 300 besonders wertvolle Informationen - etwa über Auseinandersetzungen im Grünen-Bundesvorstand - nach Ost-Berlin geliefert", nannte Lochmann lächerlich. Dies seien lediglich Bücher oder Handzettel und Programme von Grünen-Parteitagen gewesen, die für "jeden im Westen frei zugänglich gewesen" seien. Er habe dem häufigen Wunsch von ökologisch orientierten jungen Leuten nach Informationen entsprechen wollen. Schließlich habe es damals im Osten noch keine grüne Partei gegeben.

"Der Spiegel" hatte berichtet, Lochmann sei unter dem Tarnnamen "Dr. Zeitz" geführt worden und habe als Agent bis zur Wende mehr als 20 Jahre lang für die DDR spioniert. Die Bundesanwaltschaft, die dem "Spiegel" den Klarnamen von "Dr. Zeitz" nicht nennen wollte, sei zu der Erkenntnis gekommen, dass kein Fall von Landesverrat vorliege.

Quelle: n-tv.de