Politik

Jura in Bayreuth? "Es lohnt sich" Guttenberg und der Fußnoten-Aufstand

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Screenshot aus dem Werbefilm der Uni Bayreuth.

Der Verteidigungsminister hat nicht nur in Bayreuth promoviert. Er hat auch Werbung für die Uni gemacht, deren Promotionskommission jetzt über die Aberkennung des Doktortitels entscheiden muss.

Die Universität Bayreuth hat bisher gut gelebt mit ihrem prominenten Absolventen: In einem Werbefilm rühmt der Verteidigungsminister untermalt von sanfter Musik seine alte Wirkungsstätte in Oberfranken. "Sie stehen vor zwei Entscheidungen. Die erste: Was soll ich studieren? Jura. Es lohnt sich. Die zweite: Wo? Fraglos nur ein Ort: Bayreuth", wirbt Karl-Theodor zu Guttenberg um Studieninteressenten. Und er ist in prominenter Gesellschaft: Kurz nach ihm tritt in dem Amateur-Video Andreas Voßkuhle, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, auf. Doch der eigentliche Star ist Guttenberg - auch in Werbebroschüren und auf der Homepage der Uni taucht das Bild des Ministers auf. Mit dem Plagiatsvorwurf schlägt seine Prominenz nun allerdings zurück: Aus der Galionsfigur der Uni wird rasch ein Magnet für die Kritik der Kommentatoren im ganzen Land.

Alle Augen richten sich auf die Universität Bayreuth, deren Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft den Vorwurf gegen Guttenberg klären soll. Nach einer Sitzung fordert das Gremium den Minister erst einmal zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Guttenberg selbst ist zu diesem Zeitpunkt in Afghanistan. Es ist eine seit längerem geplante Reise - mit kleinem Tross und streng geheimgehalten: Der Minister übernachtet in einem Außenlager nahe Kundus und besucht die deutschen Soldaten an der Front des unerklärten Krieges in Afghanistan. Erst am Abend soll er wieder in Deutschland sein und bei einer Veranstaltung in Sachsen-Anhalt auftreten.

Im oberfränkischen Bayreuth will die Universität unterdessen lieber keine Einzelheiten über den Prüfungsprozess preisgeben, auch keinen Zeithorizont. Nur so viel: Guttenbergs Doktorvater, der emeritierte und vielfach ausgezeichnete Verfassungsrechtler Peter Häberle, sei nicht Teil der Prüfungskommission, bestätigt ein Sprecher. In der Promotionsordnung der Universität heißt es: "Die Dissertation muss eine selbstständige wissenschaftliche Leistung darstellen und zur Lösung wissenschaftlicher Fragen beitragen." Außerdem sind "die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommene Stellen sind kenntlich zu machen".

Über eine Aberkennung des Doktortitels wegen einer Täuschung durch den Doktoranden entscheidet die Promotionskommission. Maßgeblich ist, ob der Verfasser der Dissertation vorsätzlich gehandelt hat. "Waren die Voraussetzungen für die Zulassung zur Promotion nicht erfüllt, ohne dass der Kandidat hierüber täuschen wollte, (...) so wird dieser Mangel durch das Bestehen der Doktorprüfung geheilt", heißt es im Paragraph 16 der Bayreuther Promotionsordnung. Bei der Prüfung der Vorwürfe ist die Universität erste und letzte Instanz, es gibt keine Berufungsmöglichkeit auf Hochschul-Ebene. Möglich wären danach nur rechtliche Schritte.

Wer im Streit über Fußnoten und Zitate Guttenbergs Dissertation im Internet-Buchhandel sucht - das 475-Seiten-Werk unter dem Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" ist für 88 Euro zu haben - stößt auf eine weitere interessante Publikation. Sie stammt von Guttenbergs Großvater Karl Theodor zu Guttenberg (ohne Bindestrich). Dieser war Ende der 60er Jahre Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Das Werk des CSU-Politikers aus den 70er Jahren trägt den pikanten Titel "Fußnoten".

Quelle: n-tv.de, Sabine Siebold, rts

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