Politik
Gysi und Wagenknecht im Januar in Berlin.
Gysi und Wagenknecht im Januar in Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 08. August 2012

"Marx und Erhard verstanden": Gysi lobt Wagenknecht

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Seit einem dreiviertel Jahr ist sie seine Stellvertreterin, aber oft genug sind Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht verschiedener Meinung. Doch Gysi traut der Frau mit der Luxemburg-Frisur noch einiges zu.

Der Bundestags-Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi, kann sich Parteikollegin Sahra Wagenknecht als seine Nachfolgerin vorstellen. "Irgendwann steht der Generationswechsel an. Ich würde es ihr gönnen. Das Zeug dazu entwickelt sie", sagte der 64-Jährige der "Bunten".

Vor einigen Jahren habe er Wagenknechts Aufstieg nicht befürwortet, fügte der Fraktionschef hinzu. "Heute hat sie nicht nur Karl Marx, sondern auch Ludwig Erhard gelesen - und verstanden." Allerdings müsse die 43-jährige Wagenknecht noch lernen, ihre Erkenntnisse auch Leuten zu vermitteln, die sich kaum mit Politik beschäftigen. Wagenknecht gilt als Vertreterin des linken Parteiflügels und hatte als einstige Wortführerin der Kommunistischen Plattform einst viel interne Kritik auf sich gezogen. Wagenknecht sitzt seit 2009 für die Linke im Bundestag. Seit November vergangenen Jahres ist sie bereits Gysis erste Stellvertreterin.

Gysi fand für die Lebensgefährtin des früheren Parteichefs Oskar Lafontaine auch noch folgendes Lob: "Sie hat einen distanzierten Charme, der Männer besonders reizt. Und sie hat jetzt Zugang zu gehobenen Kreisen, deren Vertreter sie gern einladen."

Gemeisterte Widersprüche

Gysi äußerte sich positiv über sein derzeitiges Verhältnis zu Lafontaine. Mit ihm verstehe er sich inzwischen gut. Die beiden sprächen "so deutlich miteinander wie nie zuvor, sagte der Fraktionschef. "Der Ton ist wieder besser geworden, wir meistern die Widersprüche." In Führungsstreit der Linken, bei dem es um die Rivalität zwischen Reformern und den radikaleren Kräften ging, hatten sich im Frühjahr auch Gysi und Lafontaine zerstritten.

Am Wochenende hatte Gysi in einem Interview betont, er wolle im kommenden Jahr sein Berliner Direktmandat verteidigen. Die Frage, ob er daran denke, aufzuhören, beantwortete er nicht. Ausdrücklich widersprach er jedoch Berichten, er wolle Wagenknecht als Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl 2013 verhindern. Auf eine entsprechende Frage antwortete er: "Nein. Spitzenkandidaten werden wir rechtzeitig dem Parteitag vorschlagen, und ich erwarte nicht, dass es darüber zu einer Auseinandersetzung kommt."

Quelle: n-tv.de