Politik

24.000 sensible Daten gestohlen Hacker zapfen das Pentagon an

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In den Kommandozentralen der USA herrscht Sorge vor Hackerangriffen (im Bild: Das Air Force Space Commando in Colorado Springs).

(Foto: REUTERS)

Gerade erst veröffentlicht das Pentagon seine Verteidigungsstrategie gegen Computerhacker - und schon muss das Verteidigungsministerium einräumen, Opfer eines massiven Informationsdiebstahls geworden zu sein. Im März dieses Jahres kamen dabei 24.000 Daten über militärische Ausrüstung abhanden. Die USA vermuten einen Staat hinter der Aktion.

Das US-Verteidigungsministerium ist nach eigenen Angaben Opfer eines massiven Datendiebstahls geworden. Bei einem einzigen Hackerangriff im März dieses Jahres seien 24.000 Dateien gestohlen worden, sagte Vize-Verteidigungsminister William Lynn in einer Rede an der Nationalen Universität für Verteidigung in Washington. Der Diebstahl von den Computern eines Unternehmens der Rüstungsindustrie sei "erheblich" und einer der größten in der Geschichte des Pentagon.

Das Ministerium geht laut Lynn davon aus, dass ein ausländischer Geheimdienst hinter der Attacke steckt. "Mit anderen Worten: Es hat ein Staat dahinter gesteckt", erklärte der stellvertretende Verteidigungsminister, der sich jedoch nicht konkret zu den Verdächtigen äußern wollte. In den vergangenen Monaten hatten die USA wiederholt China vorgeworfen, chinesische Hacker seien für Onlineangriffe auf Regierungen und Unternehmen weltweit verantwortlich. Die Regierung in Peking wies jedoch jede Beteiligung an den Angriffen von sich.

Bei den gestohlenen Daten handelte es sich nach Angaben des Vize-Ministers um Informationen über Baupläne für militärische Ausrüstung. Manche der gestohlenen Daten seien "banal", erklärte Lynn, der als Beispiele kleine Bauteile von Panzern, Flugzeugen und U-Booten nannte. Ein "großer Teil" betreffe jedoch "empfindliche Systeme" wie Flugzeugelektronik, Überwachungstechnik, Systeme zur Satellitenkommunikation und Netzwerkprotokolle.

Abwehrstrategie vorgestellt

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Die USA planen eine konzertierte Aktion gegen die Cyberkriminalität.

(Foto: dpa)

Kurz zuvor hatte das Pentagon in einem Arbeitspapier seine neue Verteidigungsstrategie gegen Cyberkriminalität vorgestellt. Dabei wollen die USA auf eine Zusammenarbeit mit dem Ausland setzen. Das Verteidigungsministerium werde "zunehmend robuste internationale Beziehungen" aufbauen, um eine "kollektive Selbstverteidigung" zu ermöglichen.

Nur mit einem gemeinsamen Bewusstsein und gegenseitigen Warnungen könnten die Angreifer im Internet unschädlich gemacht werden, heißt es in dem 13-seitigen Papier. "Kein einzelner Staat, keine einzelne Organisation kann alleine eine effektive Abwehr aufrechterhalten."

Das Pentagon wolle dazu mit einer wachsenden Zahl internationaler Partner unter anderem gemeinsame Warnsysteme und Trainingsprogramme aufbauen. Jedes Land solle Verantwortung für Bereiche übernehmen, in denen es bereits heute seine Stärken und speziellen Kapazitäten hat.

Täglich 60.000 neue Schädlinge

Pro Jahr würden so viele Informationen von den Festplatten amerikanischer Unternehmen, Universitäten und Behörden gestohlen, wie die Kongressbibliothek in Washington fasst. Dort stehen 147 Millionen Datenträger - davon allein 33 Millionen Bücher. Täglich würden mehr als 60.000 neue Computerschädlinge als Bedrohung identifiziert.

Das Strategiepapier war seit Monaten erwartet worden. Es soll verdeutlichen, wie das Pentagon die Verteidigung der USA zu Luft, Land, Wasser und im Weltall auf die virtuelle Welt ausdehnen will.

Die Strategie soll von der im vergangenen Jahr gegründeten Spezialeinheit "Cyber Command" umgesetzt werden. Dazu sollen die Soldaten besser ausgebildet werden, auch mit Hilfe von konkreten Abwehrübungen und Kriegssimulationen. Ein Ziel dabei sei es, künftig bei einer Attacke vereinzelte oder auch alle Pentagon-Operationen innerhalb kürzester Zeit auf sichere Netzwerke umleiten zu können.

Auch sollen künftig innerhalb des gesamten Verteidigungsministeriums neue "Hygiene-Standards" für den Umgang mit vertraulichen Daten durchgesetzt werden, damit sie nicht mehr unversehens nach außen gelangen könnten. Auch Datendieben und Saboteuren aus den eigenen Reihen soll schneller das Handwerk gelegt werden können.

Keine Rede mehr von Cyberkrieg

Die nun veröffentlichte Strategie ist im Ton wesentlich defensiver als erwartet worden war. Noch im Mai war aus dem Pentagon verlautet, dass schwere Hackerangriffe aus dem Ausland in dem Papier als Kriegshandlung eingestuft werden, die auch Gegenschläge mit konventionellen Waffen erforderlich machen könnten. Darauf geht die neue Strategie ebenso wenig ein wie auf die Möglichkeit, offensive gegen Feinde zu führen.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP