Politik
Sonntag, 04. September 2011

Deutsche Gewehre in Libyen: Heckler & Koch schickt Ermittler

Dass die libyschen Rebellen eine große Anzahl von G36- Sturmgewehren aus deutscher Produktion erbeutet haben, ist unstrittig. Aber wie sind die Waffen überhaupt nach Libyen gekommen? Diese Frage will jetzt die Herstellerfirma vor Ort klären.

Der Waffenhersteller Heckler & Koch will jetzt selbst ermitteln, wie die deutschen G36-Gewehre nach Libyen gekommen sind. Geschäftsführer Martin Lemperle sagte der "Bild am Sonntag": "Wir planen, ein breit angelegtes Expertenteam nach Tripolis zu schicken, um gemeinsam mit den relevanten Stellen vor Ort die Sachlage zu prüfen." Lemperle versicherte erneut, dass Heckler & Koch zu keinem Zeitpunkt Waffen nach Libyen exportiert habe.

Ein Bundeswehrrekrut während einer Schießübung sein G36-Sturmgewehr von Heckler & Koch.
Ein Bundeswehrrekrut während einer Schießübung sein G36-Sturmgewehr von Heckler & Koch.(Foto: dpa)

Bereits am Mittwoch vergangener Woche hatte der Hersteller mitgeteilt, in Libyen aufgetauchte Waffen seien unrechtmäßig über einen Heckler & Koch nicht bekannten Weg beschafft worden. Libysche Rebellen hatten die G36-Gewehre nach Augenzeugenberichten beim Sturm auf die Gaddafi-Residenz in Tripolis erbeutet.

Die Gewehre aus Deutschland stammen nach Angaben von Rüstungsgegnern aus dem Jahr 2003. Das Produktionsjahr lasse sich von Kürzeln auf den Waffen ablesen. Die eigentlichen Gewehrnummern seien aus den Waffen herausgefräst und durch fiktive Nummern ersetzt worden.

Version für Spezialeinheiten

Möglich ist, dass die Gewehre in ein anderes Land, etwa in die NATO-Partnerländer Spanien oder Frankreich exportiert worden sind. Dann wäre der Weiterexport nach Libyen aber ein Verstoß gegen die sogenannte Endverbleibsklausel, wonach der endgültige Bestimmungsort der Waffen beim Genehmigungsantrag angegeben werden muss.

Die Bundeswehr nutzt das Sturmgewehr G36 seit 1997. Das Gewehr besteht größtenteils aus schwarzem Kunststoff. Es ist leicht zu zerlegen und wieder zusammenzubauen und hat nach Bundeswehr-Angaben eine "gute Schussgenauigkeit" auf bis zu 800 Meter. Die Feuergeschwindigkeit wird mit 750 Schuss pro Minute angegeben. Bei den in Libyen aufgetauchten G36-Sturmgewehren handelt es sich um einen besonderen Typ mit verkürztem Lauf, der von Spezialeinheiten genutzt wird.

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Quelle: n-tv.de