Politik
Die 40 Millionen Euro des Fonds wären nach jetzigen Stand schon aufgebraucht.
Die 40 Millionen Euro des Fonds wären nach jetzigen Stand schon aufgebraucht.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 05. Februar 2014

Antragsflut übertrifft Prognosen: Hilfsfonds für DDR-Heimkinder zu klein

Mehr als 4000 ehemalige Heimkinder aus der DDR haben bislang finanzielle Entschädigung gefordert. Der dazu eingerichte Fonds wäre damit erschöpft. Doch Ansprüche sollen auch noch in den kommenden Jahren geltend gemacht werden können.

Gut eineinhalb Jahre nach dem Start des Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder ist bereits ein Drittel der bereitgestellten Summe ausgezahlt. Vor diesem Hintergrund wollen der Bund und die ostdeutschen Länder die insgesamt 40 Millionen Euro auftstocken. Der Fonds läuft 2017 aus.

Über eine konkrete Summe habe es bei den Verhandlungen aber noch keine Verständigung gegeben, sagte der Familien-Staatssekretär Ralf Kleindiek. Die Verhandlungen würden in zwei Wochen fortgesetzt. Bisher haben mehr Betroffene als zuvor geschätzt Anträge an den Fonds gestellt, weil sie unter dem teilweise drakonischen Erziehungsstil in Heimen der DDR gelitten haben.

Insgesamt sind bereits rund 15 Millionen Euro an die Betroffenen ausgezahlt worden. Bis Anfang Dezember hatten rund 4000 Ostdeutsche Anträge auf Leistungen gestellt. Wenn alle Anträge bearbeitet sind und weitere folgen, wäre der Fonds leer.

400.000 Heimkinder in der DDR

Der Fonds, aus dem bisher ausschließlich Sachleistungen bezahlt werden, speist sich je zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und der ostdeutschen Länder. Bisher wurden 9,2 Millionen Euro für medizinische Unterstützung, Beratungs- und Betreuungsleistungen sowie bessere Wohnverhältnisse ausgegeben. Außerdem zahlte der Fonds rund 5,6 Millionen Euro für Rentenersatzleistungen aus. Denn Jugendliche wurden in einigen DDR-Heimen als Arbeitskräfte eingesetzt, ohne dass Sozialleistungen für sie abgeführt wurden.

In der DDR gab es nach Schätzungen rund 400.000 Kinder in Heimen, doch nicht alle haben Unrecht erlitten. Besonders gefürchtet waren die sogenannten Jugendwerkhöfe.

Für Westdeutschland besteht für die Jahre 1949 bis 1975 ein ähnlicher Fonds, gefüllt mit 120 Millionen Euro. In diesem Zeitraum gab es in der Bundesrepublik schätzungsweise 800.000 Heimkinder, von denen viele ebenfalls Folgeschäden beklagen. Insgesamt wird mit Entschädigungsansprüchen von mehreren zehntausend Betroffenen gerechnet.

Quelle: n-tv.de