Politik

Kapitalismus in der Kritik Hundt: "Zum Kotzen"

SPD-Chef Franz Müntefering gefährdet nach Ansicht der Arbeitgeber mit seiner anhaltenden Kritik an Auswüchsen des Kapitalismus den Standort Deutschland. Die von Müntefering entfachte Debatte sei "hochgradig schädlich", weil sie Investoren verschrecke, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt im ZDF.

"Das ist doch unpatriotisch, schlimmer geht's gar nicht", beklagte Hundt. "Ich finde es zum Kotzen, was derzeit in dieser Republik abläuft. Anstatt dass wir uns mit unseren bestehenden Problemen beschäftigen, reden wir von Heuschreckenplagen, von Raubtierkapitalismus, von asozialem Verhalten und dergleichen mehr." Hundt ist Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Unterdessen forderten SPD-Politiker die Deutsche Bank auf, nach ihrer deutlichen Gewinnsteigerung den geplanten Jobabbau zurückzunehmen. "Viele Menschen können es einfach nicht mehr ertragen, dass ständig Gewinnankündigungen mit Personalabbau verbunden werden", sagte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) der "Berliner Zeitung".

Auch Müntefering hatte kürzlich den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, attackiert, weil er gleichzeitig hohe Gewinne und weit reichende Entlassungen angekündigt hatte.

Lafontaine will Taten sehen

Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine forderte seine Partei auf, der Kritik konkrete Taten folgen zu lassen. Statt über das Fehlverhalten von Managern zu jammern, müsse die Bundesregierung den Spitzensteuersatz wieder über 50 Prozent erhöhen, eine Managerhaftung einführen und die Bezahlung der Manager mit Aktienoptionen verbieten, sagte Lafontaine. Vor allem müsse die Bundesregierung aber die Hartz-IV-Gesetze zurücknehmen.

Wirtschaftsforscher und die amerikanische Handelskammer in Deutschland warnten dagegen, die SPD-Kritik könne Investoren abschrecken. "Diese Debatte ist störend und international schädlich", sagte Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der "Welt". Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, sagte, sollte sich die Debatte in konkreten Gesetzen niederschlagen, würde das zu einem Imageschaden über die Grenzen hinaus führen.

Nach Einschätzung der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) verstören Münteferings Äußerungen ausländische Investoren. AmCham-Vorstand Lutz Raettig sagte der "Berliner Zeitung": "Jedes multinationale Unternehmen hat sehr viel Optionen, um zu investieren. Herr Müntefering hat die Option Deutschland nicht gerade attraktiver gemacht."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema