Politik

Humanitäre Katastrophe in Afrika Hungernde strömen nach Norden

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Anstehen für etwas Nahrung: Hilfsbedürftige in Mogadischu.

(Foto: dpa)

In Ostafrika herrscht der Hunger. Immer mehr Menschen strömen in die somalische Hauptstadt Mogadischu - denn dorthin führt die Luftbrücke des UN-Hilfsprogramms. Organisationen bieten ihre Hilfe an, auch aus afrikanischen Staaten. Doch radikale Islamisten verhindern deren Engagement im Süden Somalias. Bundesentwicklungsminister Niebel schließt eine militärische Intervention aus.

Der Strom verzweifelter Flüchtlinge aus dem Süden Somalias nach Mogadischu reißt nicht ab. Die Zahl hungernder Menschen, die täglich in der Hauptstadt ankämen, steige weiter "drastisch", berichtete das BBC Radio. Allein im vergangenen Monat hätten 12.000 unterernährte Kinder die Ernährungszentren der Vereinten Nationen in Mogadischu aufgesucht, 30 Prozent mehr als noch im Vormonat.

Aber auch in den anderen Dürregebieten Ostafrikas nimmt die Zahl der Hilfsbedürftigen täglich weiter zu. "Mehr als zwölf Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Äthiopien und Dschibuti brauchen dringend Hilfe", erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. "Die Zukunft einer ganzen Generation steht auf dem Spiel."

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Auch aus Kenia erreichen die Hilfslieferungen Somalia.

(Foto: dpa)

Am schwersten betroffen ist Somalia. "Ausmaß und Schwere machen die Krise in Somalia zur mit Abstand größten Hungerkatastrophe auf der Welt", sagte Amos. "Zehntausende Menschen sind schon gestorben und Hunderttausenden droht der Hungertod." Die andauernden Kämpfe seien ein großes Hindernis für die Helfer.

Wegen der politischen Lage in dem Bürgerkriegsland und der Rebellen der Al-Schabaab-Miliz bleibt es schwierig, die Hungernden in den besonders schlimm betroffenen Landesteilen im Süden zu erreichen. Die radikalislamische Gruppe verbietet zahlreichen westlichen Hilfsorganisationen, in den von ihr beherrschten Gebieten zu arbeiten.

"Ein verlorener Staat"

"In einem verlorenen Staat, der sich seit 20 Jahren in einem Bürgerkrieg befindet, wo Anarchie herrscht und die Übergangsregierung nur Einfluss auf kleine Teile des Territoriums hat, ist es ziemlich schwierig zu arbeiten", sagte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel.

Eine militärische Lösung in Somalia schloss Niebel aus: "Ich halte nichts davon, über militärische Optionen nachzudenken, solange politische Lösungen nicht abschließend ausgeschlossen werden müssen."

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das trotz aller Gefahren weiter in dem Gebiet tätig ist, begann am Montag mit der Verteilung von 3000 Tonnen Lebensmitteln, darunter Reis, Bohnen und Öl, in Süd- und Zentralsomalia. Mit der ersten groß angelegten Aktion in diesem Jahr sollen 162.000 Menschen versorgt werden.

"Aber es ist sehr schwierig, in die Region zu gelangen", sagte die Sprecherin der Organisation, Anna Schaaf, der Nachrichtenagentur dpa. Vor Beginn der Nahrungsverteilung seien Sicherheitsgarantien bei den verschiedenen Konfliktparteien eingeholt worden, betonte sie.

Hilfe aus aller Welt

Frankreich verdreifacht seine Hilfe für die Hungernden in Afrika von zehn auf 30 Millionen Euro. Außerdem wolle die Regierung logistische Hilfe bei der Verteilung leisten, teilte Regierungssprecherin mit. Langfristig wolle Frankreich die Versorgung der Regionen, in denen Hungersnöte herrschen, zu einer vorrangigen Aufgabe seines Vorsitzes der Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer (G 20) machen. Frankreich hat noch bis November den G-20-Vorsitz und wird dann von Mexiko abgelöst.

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Eine Mutter mit ihrem unterernährten zweijährigen Sohn auf dem Schoß.

(Foto: dpa)

Auch innerhalb Afrikas formieren sich derweil immer mehr Gruppen, die den Hungernden helfen wollen. Allein die Initiative Kenyans for Kenya habe in den vergangenen vier Tagen rund eine Million US-Dollar, also 695.000 Euro gesammelt, hieß es. Das Geld wurde über einen eigens eingerichteten SMS-Service via Mobiltelefonie gespendet.

Die Hilfsorganisation Luftfahrt ohne Grenzen (Wings of Help) kündigte an, in Zusammenarbeit mit dem Bonusprogramms Payback und Lufthansa Cargo ein Flugzeug mit 90 Tonnen Hilfsgütern nach Nairobi zu schicken. Die Maschine soll zwischen dem 15. und 18. August in Frankfurt starten und vor allem Lebensmittel und Medikamente zu den Menschen in Ostafrika bringen, die unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren leiden.

Erst am Wochenende hatte die Hilfsorganisation humedica aus Kaufbeuren mit einem Charterflug 30 Tonnen Hilfsgüter von München nach Nairobi gebracht. Sie sollen per Lastwagen in das derzeit größte Flüchtlingscamp der Welt in Dadaab im Norden Kenias transportiert werden. Ein weiterer Flug für die hungernde Bevölkerung in der Region Turkana ist ebenfalls geplant.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP