Politik

Gespräch über Gespräche IAEA-Experten sind im Iran

Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde reist nach Teheran. "Wir freuen uns darauf, einen Dialog zu beginnen, der schon lange überfällig ist", sagt Chefinspektor Nackaerts. Ein Regierungsvertreter kündigt an, das Team könne die nötigen Inspektionen vornehmen. "Aber unsere Rechte im Atombereich werden wir nicht aufgeben."

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Auf dem Flughafen von Teheran demonstrieren junge Männer mit Bildern des iranischen Führers Chamenei und des Atomwissenschaftlers Mostafa Ahmadi Roshan, der am 11. Januar in Teheran bei einer Explosion getötet wurde.

(Foto: REUTERS)

Ein hochrangiges Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist am Samstagabend im Iran eingetroffen. Bei dem Besuch sollen offene Fragen zum Atomprogramm des Landes geklärt werden. Unklar war zunächst, ob die IAEA-Experten bei ihrem Aufenthalt bis Dienstag auch iranische Atomanlagen inspizieren werden.

Aus dem Umfeld der Wiener Atom-Behörde hieß es vor Abflug des Teams, dass es zunächst darum gehe, in Gesprächen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das vermutete iranische Waffenprogramm zu erreichen. Teheran hat seit 2008 Fragen dazu nicht beantwortet und eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms stets bestritten.

Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Atomforschung am Bau von Kernwaffen zu arbeiten, und hat umfangreiche Sanktionen gegen das Land verhängt. Nach Erkenntnissen der IAEA haben iranische Wissenschaftler zumindest bis 2010 an der Entwicklung eines atomaren Sprengkörpers gearbeitet.

Embargo und Drohungen

Die EU hatte Anfang der Woche ein Ölembargo gegen den Iran beschlossen. Damit soll die Regierung in Teheran dazu gebracht werden, eine internationale Kontrolle seines Atomprogramms zuzulassen. Der Iran hatte damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Die Meerenge ist eine Schlagader für die Weltwirtschaft: Der Löwenanteil der globalen Ölversorgung muss durch dieses Nadelöhr.

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Der Belgier Herman Nackaerts ist Chef des IAEA-Teams.

(Foto: AP)

Im Iran wurde spekuliert, die Experten aus Wien könnten die lange geheim gehaltene unterirdische Anlage Fordo besuchen, die rund 160 Kilometer südlich von Teheran liegt. Die Anlage, in der Uran bis auf 20 Prozent angereichert werden soll, soll im Februar den Betrieb aufnehmen. Eine 20-prozentige Anreicherung reicht nicht zum Bau von Atomwaffen aus.

Es wird erwartet, dass die sechs IAEA-Experten unter Führung von Chefinspektor Herman Nackaerts in Teheran mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Said Dschalili und dem Direktor des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi, zusammentreffen.

"Dialog schon lange überfällig"

Man hoffe auf die Dialogbereitschaft Teherans, sagte Nackaerts vor dem Abflug nach Teheran. "Wir freuen uns darauf, einen Dialog zu beginnen, der schon lange überfällig ist." Zum Programm erklärte er: "Wir versuchen, alle noch offenen Themen mit dem Iran zu lösen. Insbesondere hoffen wir, dass der Iran mit uns zusammenarbeiten wird, was unsere Sorge wegen einer möglichen militärischen Dimension des iranischen Nuklearprogrammes betrifft."

Der Iran beteuerte seine Bereitschaft zur Kooperation. Auf die Anreicherung von Uran werde Teheran aber nicht verzichten, sagte der frühere iranische Außenminister Ali Akbar Welajati der Nachrichtenagentur Isna.

"Das IAEA-Team, das in den Iran kommt, kann die nötigen Inspektionen vornehmen", sagte Welajati. "Aber unsere Rechte im Atombereich werden wir nicht aufgeben, denn wir haben uns stets an internationale Regeln gehalten." Welajati berät den iranischen geistlichen Führer, Ajatollah Ali Chamenei. Dieser habe - auch - in Atomfragen das letzte Wort, sagte Welajati.

Quelle: ntv.de, dpa

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